Die Geschichte des Mac OS

Wikipedia kann auch frustrierend sein. Mein vor einigen Jahren verfasster Artikel zur Geschichte des Mac OS ist durch ein ganzes Bündel kenntnisreicher Wikipedia-Artikel obsolet geworden.

Das Macintosh Operating System hat eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich: 1984 war Mac OS das erste serienproduzierte System für den persönlichen Gebrauch mit grafischer Oberfläche und Mausbedienung. Jahrelang verkauften sich Macs vor allem im Bildungsbereich und in der grafischen Industrie wie geschnitten Brot, während der Markt für Büroanwendungen fest in der Hand des Konkurrenten IBM war. Auf den IBM-Rechnern lief das Betriebssystem Microsoft DOS, das - vereinfacht gesagt - die textlastige Bedienung eines UNIX-Systems mit den Beschränkungen einer (nicht vorhandenen) grafischen Oberfläche verband. Immerhin ein gewisser Fortschritt gegenüber den ebenfalls von IBM vertriebenen Lochkartenlesern.

In den folgenden zehn Jahren arbeitete sich Microsoft mit einer obskuren DOS-Erweiterung namens Windows langsam an die Möglichkeiten des Mac OS heran. Apples CEO John Sculley förderte den Marktanteil des Konkurrenten in dieser Zeit freundlicherweise durch eine konfuse Strategie und eine verfehlte Modellpolitik. Der Mac wurde dagegen in den 90er Jahren des letzten Jahrtausends zum Synonym für altmodische, instabile und überteuerte Computer. Schließlich konnten auch die früheren Erfolge im Bildungsbereich und in der grafischen Industrie nicht mehr über die Niederlage hinwegtäuschen.

Zudem stellte Apple sowohl die Macintosh-Computer selbst als auch das dazugehörige Betriebsystem (Mac OS) her. Mitte der 90er Jahre war Mac OS dem Konkurrenzprodukt Windows 95 weit überlegen. Microsofts Versuch, die durchdachte Oberfläche des Mac OS zu kopieren, war gescheitert. Aber gerade das Bewusstsein, ein besseres Produkt anbieten zu können als der Konkurrent, war verhängnisvoll. Den nicht das ansprechende Design der Macs oder die reibungslose Integration von Hard- und Software bestimmte die Kaufentscheidungen vieler Computernutzer, sondern vor allem der Preis und die Kompatibilität mit dem Standard der Bürowelt: MS-DOS / Microsoft Windows.

Ein zweites goldenes Zeitalter begann mit der Rückkehr von Steve Jobs, der Umstellung auf das UNIX-basierte Mac OS X und der Erweiterung der Produktpalette um den iPod und das iPhone.

Schon in den 80er Jahren begann Microsoft, aus dem vorteilhaften Deal Kapital zu schlagen und Lizenzen für MS-DOS an andere Hersteller zu vergeben. Anfangs wurden diese Computer noch als „IBM-kompatibel“ vermarktet, aber schon bald wurde MS-DOS (und später Windows) zum Standard, unabhängig vom Hersteller des Computer selbst. Allein dem Chiphersteller Intel gelang es, eine ähnliche Monopolstellung wie Microsoft zu erreichen. Gegen DOS-kompatible Betriebssysteme kleiner Softwarefirmen setzte sich Microsoft juristisch und durch Knebelverträge mit den Hardware-Herstellern zur Wehr. Die Microsoft-Chefs hatten am Beispiel IBMs gerade erst verfolgen können, wie schnell ein preiswerteres Produkt mit gleicher Leistung die übermächtige Stellung eines Anbieters ruinieren kann.

Angesichts des rapide schrumpfenden Marktanteils versuchte sich nun Apple mit der Strategie des Konkurrenten und vergab Lizenzen an Hardware-Hersteller. Die Mac-Klone steigerten zwar den Mac-Markanteil leicht, sorgten aber vor allem für sinkende Hardware-Verkäufe bei Apple selbst. Nach einigen Jahren wurde das Experiment deshalb beendet, ohne dass sich an der Gesamtsituation viel geändert hätte. Dafür trat gegen Ende der 90er Jahre trat mit Michael Dell ein weiterer Konkurrent im Hardware-Bereich auf den Plan. Dell griff Apple frontal im Bildungsbereich, an: Er verkaufte solide Computer mit dem Windows-Betriebssystem zu sehr günstigen Preisen direkt ab Werk und räumte Bildungseinrichtungen hohe Rabatte ein. Gleichzeitig begannen die Hersteller von Grafik- und Layoutsoftware, sich auf die veränderte Marktlage einzustellen: Adobe, Quark und Macromedia entwickelten neue Versionen ihrer Standardprogramme zunehmend mit Blick auf die Windows-Plattform.

Mittlerweile hatte sich auch Windows weiterentwickelt und war – trotz der nach wie vor mangelhaften Oberfläche – dem Mac OS in den Bereichen Stabilität und Geschwindigkeit überlegen. Darüber hinaus entwickelte sich die enge Bindung an den Chiphersteller Motorola zum Problem: Dessen PowerPC-Chips fielen im Rennen um höhere Taktraten im Vergleich mit den Konkurrenten Intel und AMD immer weiter zurück, so dass Macs im direkten Vergleich nicht nur teurer, sondern auch langsamer als Windows-PCs waren.

In dieser Situation entschied sich Apple für einen radikalen Schritt: Die Entwicklung des traditionellen Mac OS wurde beendet, und an seine Stelle trat Mac OS X. Dieses Betriebssystem basierte auf der UNIX-Variante BSD (Berkeley Source Distribution) und wurde durch eine grafische Oberfläche (Aqua) an die Gewohnheiten der Macintosh-Nutzer angepasst. Mac OS X erschloss Apple einen völlig neuen Kundenkreis: technisch versierte Nutzer, die Wert auf Stabilität und Erweiterbarkeit des Systems legen.

Mac OS X ist also das Ergebnis einer langen Reise. Ursprünglich sollte der Macintosh die Benutzer erlösen von kryptischen Befehlen und einer computer-zentrierten Bedienung und stattdessen eine einfache, übersichtliche Oberfläche schaffen, auf der der Mensch mit einem kleinen Pfeil auf die Dinge zeigt, die er benutzen möchte. Andere Hersteller (IBM mit OS/2, Microsoft mit Windows) übernahmen diese Idee, und das Konzept der grafischen Benutzeroberfläche (GUI) begann seinen Siegeszug um die Welt.

Mit der Zeit stellte sich heraus, dass eine GUI nicht für alle Zwecke die beste Lösung ist. Viele Computerexperten sperrten sich gegen die bunten Maus- und Iconwelten mit dem Argument, mit einem durchdachten Kommandozeilen-Interface (CLI) und den entsprechenden Tools ließen sich viele Aufgaben erheblich schneller erledigen.

Hinter der Auseinandersetzung GUI - CLI steht die Frage: Wie weit will ich mich dem Computer anpassen, um im Gegenzug Aufgaben schneller lösen zu können? Bis vor einigen Jahren gab es keinen echten Kompromiss: Geeks benutzten UNIX, normale Menschen Macs oder Windows-PCs. Seit der Verbesserung der grafischen Oberflächen für UNIX-Systeme wie Linux zeichnete sich allerdings bereits ab, dass die Nutzerin best of both worlds haben kann.

Mac OS X vereint die Vorteile etablierter GUI-Systeme mit der Flexibilität und Stabilität von UNIX. Es enthält einen BSD-Kernel, der mit einer grafischen Aqua-Oberfläche versehen wurde. Das Ergebnis: Die Nutzerin kann den UNIX-Kern ignorieren, wenn sie möchte. Sie kann aber auch über das Terminal tief in die Katakomben steigen und Programme wie awk, grep und vi in ihre Obhut nehmen. Auch Datenbanksysteme wie MySQL und Programmiersprachen wie Python sind bereits in Mac OS X enthalten.

Es wäre vermutlich klug und effizient, sich künftig auf ein sehr privates Weblog zu beschränken.