Dateisystemdämmerung

Eine beliebte Klage in der Informationsgesellschaft betrifft die Begrenztheit traditioneller Dateisysteme:

[In] recent decades, technological innovations have created a modern information crisis. This is characterized by an ever-growing abundance of easily accessible information. Additionally, the user is able to create and store continuously increasing amounts of digital data. This data is usually managed on the user's personal computer. Conventional file systems, however, which constitute the most important systems for document management tasks, impose a strict monohierarchy onto the user's document collection. The user is constrained by the file system's inability to represent multiple categorizations of documents without utilizing band-aid solutions such as shortcuts.

Das ist wahr, und ich würde mich auch über ein Dateisystem mit einem Semantic File System Interface freuen, das mit nonhierarchical directory structure and polyhierarchical file categorizations erlaubt. Andererseits: Wer verwaltet heutzutage seine Daten wirklich vollständig manuell über ein Dateisystem? Durchschnittliche Nutzerinnen haben ein E-Mail-Postfach, einen Facebook-Account und einige Dutzend Office-Dateien, etwas ambitioniertere Nutzerinnen haben zusätzlich ein Blog.

Ich selbst greife auf die meisten Daten über dedizierte Applikationen wie Aperture, iTunes, Mail (mit MailTags) sowie das Adressbuch von Mac OS X zu, die mit Metadaten umgehen können und diese in den Spotlight-Index einspeisen. Texte wandern in der Regel auf meine Website, die seit einiger Zeit ein Tagging-Interface hat. Für alles andere gibt es Yojimbo. Was bleibt für HFS+ und seine Extended Attributes? Installationspakete und einige Dutzend LaTeX-Dateien, die ich zur Not auch mit nichtssagenden Dateinamen in einem einzigen Ordner versammeln könnte, ohne den Überblick zu verlieren.

Vermutlich ist der direkte Umgang mit einem traditionellen Dateisystem in einigen Jahren das, was die Konfiguration eines RAID-Systems heute ist: Ein Job für den Admin.