MS Aurora

Was für eine Geschichte. Google, Yahoo und weitere US-Unternehmen werden Opfer eines highly-sophisticated Hacker-Angriffs aus China (Operation Aurora),der eine Schwachstelle des Internet Explorers ausnutzt. Der Angriff richtet sich gegen Accounts chinesischer Dissidenten, eine Beteiligung chinesischer Google-Mitarbeiter wird nicht ausgeschlossen. Google erhöht daraufhin nicht nur die Sicherheitsvorkehrungen, sondern verkündet auch, sich nicht mehr an die Zensurvorgaben der chinesischen Regierung zu halten – mit der absehbaren Folge, sich vom chinesischen Markt zurückziehen zu müssen.

US-amerikanische Politiker, Unternehmen, Verbände und Medien unterstützen diesen Schritt und ziehen sogar eine direkte Verbindungslinie zwischen Nixons China-Besuch und der Entscheidung des Unternehmens. Europäische Regierungen warnen offiziell vor der Verwendung des Internet Explorer. Das deutsche Feuilleton macht sich Sorgen um die Staatsähnlichkeit des Großkonzerns.

Nur einer bleibt ruhig: der ansonsten recht temperamentvolle Steve Ballmer. Er versteht weder das Problem (There are attacks every day. I don't think there was anything unusual, so I don't understand.) noch Googles Reaktion (I don't understand how that helps anything.) und bekräftigt, in China bleiben zu wollen (We've been quite clear that we are going to operate in China, [and] we're going to abide by the law.). Chinas Hauptproblem seien nach wie vor Windows-Raubkopien (Intellectual-property protection in China is very, very bad. Abysmal. [...] It's got to change.).

Conspiracy theory, anyone? Nur zu gern: Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass Google seine Mitarbeiter den Internet Explorer 6 einsetzen lässt? Eben. Tatsächlich hat Microsoft den Rezeptionisten in der chinesischen Google-Niederlassung großzügig alte Windows-Lizenzen mit vorinstalliertem IE 6 überlassen und anschließend der Volksbefreiungsarmee einen kleinen Tipp gegeben. Wer bereit ist, gegen Google mit Rupert Murdoch zu paktieren, wird ja wohl keine Berührungsängste gegenüber harmlosen Kommunisten haben.

Vielleicht geht das Kalkül sogar auf: Wenn China ohne den Googlebot ein nationales Internet realisiert und die Chinesen neben chinesischen Suchmaschinen und chinesischen Shopping-Portalen auch ein chinesisches Betriebssystem nutzen, erledigt sich das lästige Problem der Windows-Raubkopien, ohne dass sich lange Schlangen vor den schönen Microsoft-Läden bilden.