Zweckbindung

Horst Seehofer hat die Grundlegung zur Metaphysik der SittenHandle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst. – getreulich memoriert, denn er betrachtet seine Feststellung, Deutschland brauche keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen nicht etwa als Forderung nach einem Zuwanderungsstopp. Mit dieser liberalen Haltung bricht der CSU-Vorsitzende auf den ersten Blick eine Lanze für die Zweckfreiheit nicht nur der Menschheit, sondern auch seiner eigenen Partei, die nach Ansicht Philipp Mißfelders doch hauptsächlich dafür zu sorgen hat, dass rechts der Union keine Partei entsteht. Wenn man unterstellt, dass Seehofer die Parteiarbeit nicht völlig zweckfrei gestalten möchte, könnte man seine Positionierung auch als radikale Kehrtwende hin zu konstruktiver Politik verstehen. Ich würde mich deshalb nicht wundern, wenn Seehofer das politische Berlin demnächst mit vernünftigen Vorschlägen zur Gesundheitsreform überraschte. Ein geeigneter Wahlkampfslogan für die neue Linie wäre vielleicht CSU – Öfter mal was Neues.

Den Kontrapunkt zur bayerischen Experimentierfreudigkeit setzen die Freien Demokraten, deren Generalsekretär zwischen dem Ungelernten aus Anatolien und der Ärztin aus dem Iran unterscheiden möchte, und deren Vorsitzender offen nach dem Nutzen von Einwanderern fragt (Und wir haben ein Recht zu fragen, welchen Beitrag Einwanderer leisten wollen, damit nicht nur sie, sondern das ganze Land einen Gewinn davon haben). Wie lange wird es der Idealist Seehofer noch in einer Koalition mit solch kalten Erbsenzählern aushalten?