Rettungsring

Auf den digitalen Hühnereien der Zeitungsverleger herumzuhacken ist nicht sehr fair, denn wer würde im Angesicht des finanziellen Ruins nicht panisch reagieren – außer Rupert Murdoch? Mr. Murdochs Antwort auf die Frage, wie man Menschen zum e-Abonnement bewegt, ist bekannt (An offer you can't refuse), aber leider bieten ehrlose Verräter gewisse Medien ihre Informationen immer noch kostenlos an. Vermutlich muss sich die Presse statt eines zwingenden also ein überzeugendes Angebot einfallen lassen.

Statt ständig an neuen Formaten herumzubasteln, sollten die Zeitungsverlage ihre Websites so ausbauen, dass die Druckausgaben neben ihnen verblassen. Wenn ein Verlag allerdings in diese Richtung denkt, dann träumt er offenbar von komplexen Flash-, Silverlight- oder Air-Anwendungen, was zu absurden Vorhersagen führt:

Lieb gewonnene redaktionelle Gewohnheiten – wie das schnelle Ändern eines Artikels kurz vor Druckschluss – werden bei einem elektronischen Magazin viel schwieriger umzusetzen sein, wenn überhaupt.

Das ist natürlich Quatsch. Es gibt für die flexible Bereitstellung von Texten keine Alternative zu einer standardbasierten Website. Mit einem guten CMS kann eine Website sogar mehrere (öffentliche) Revisionen eines Artikels verwalten, so dass die Nutzerinnen die Anpassung eines Kommentars an den Informationsstand nachvollziehen können.

Und weil den Verlegern die Umsonstkultur im Internet ja ein Graus ist: Sollten Sie meinem Rat folgen wollen, sende ich Ihnen gern meine Kontoinformationen für die Überweisung meines Beraterhonorars.