Bedingungslose Armut

Die Synthese des real existierenden Kapitalismus mit der Kuscheligkeit einer gut funktionierenden WG soll derzeit das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ermöglichen. Eine feine Idee, zumal sich mit dem BGE sehr hübscher Schaum vor dem Mund von FDP-Politikern erzeugen lässt.

Im wirklichen Leben muss sich trotzdem jeder Staat entscheiden, ob Menschen im eigenen Land vor Hunger krepieren sollen. Wenn man das nicht möchte, muss man ihnen irgendwas geben, und Geld lässt sich billiger verteilen als Essen und Kleidung. Die Union hat etwas länger gebraucht, um Deutschland als nicht-klassisches Einwanderungsland zu akzeptieren, die FDP wird irgendwann das nicht selbständig erwirtschaftete Einkommen akzeptieren. Schwamm drüber.

Was sich allerdings noch schneller erledigen wird ist die Vorstellung, man könne von einem BGE bequem leben. Das setzt jede Menge Idealisten voraus, die für einen kleinen Aufschlag aufs BGE gern halbtags als Kassierer, Müllwerkerin, Putzmann oder Kellnerin arbeiten. Jede Gewerkschaft wird natürlich reflexartig eine proportionale Erhöhung der Löhne durchkämpfen – den passenden Slogan könnte man sicherlich beim Bundesaußenminister ausleihen – bis das BGE sich durch die rasante Inflation auf dem Niveau der heutigen Sozialhilfe einpendelt.