Die Speerspitze des Pluralismus

Vor einigen Monaten noch rätselten die Katholiken, warum ihr spiritueller Vater einem Holocaust-Leugner die Rückkehr in den Schoß der Kirche ermöglicht. Dann fragten sie sich, warum Kinderschänder jahrzehntelang vor Strafverfolgung geschützt wurden.

Erst die Warnung des Papstes vor dem Internet als potentielles Gleichschaltungsorgan zeigt, welches strategisches Konzept hinter diesen Entscheidungen steht. Mittlerweile haben nämlich auch katholische Würdenträger gemerkt, dass die Exkommunikation als Drohung nur noch in Einzelfällen funktioniert, und selbst die deutschen Ultramontanisten ihren Kampf für das Kreuz unter dem Banner der Toleranz für alle Religionen führen.

Da liegt es doch nur nahe, den hippen Pluralismus für sich zu reklamieren und so lange milde über alle Sünden hinwegzusehen, bis die Unam Sanctam wieder ein ehrfurchtgebietendes Gebäude ist (in der Hoffnung, dass nicht wieder französische Söldner marodierend durch Rom ziehen).

Vor diesem Hintergrund zeugt auch die Entschuldigung des britischen Außenministers für ein innovatives Papier zum Papstbesuch in London von wenig Weitsicht: Hätte man dem Heiligen Vater tatsächlich vorgeschlagen, eine Abtreibungsklinik einzuweihen, eine Homo-Ehe zu segnen oder nach ihm benannte Kondome zu verteilen – er hätte wohl hocherfreut eingewilligt und im Gegenzug Ihrer Majestät die heilige Kommunion angeboten.