Exile in Sittenbach

Der idealtypische Popkritiker ist männlich, mittleren Alters, stammt aus der bayerischen Provinz, genießt seine eigenen coolen Formulierungen mindestens so sehr wie Musik und grenzt sich durch eine gewisse Rotzigkeit von allzu intellektuellen Kollegen ab. Zu diesem haltlosen Vorurteil könnte ein flüchtiger Blick auf Leben und Werk von Karl Bruckmaier (geb. 1956 in Niederbayern) und Willi Winkler (geb. 1957 in Sittenbach) verführen.

Charakteristisch für die beiden ist jedenfalls eine Eitelkeit, die den Schreibenden in jungen Jahren als grauen Hintergrund inszeniert, vor dem das aktuelle Ich um so heller strahlen kann. Jüngstes Beispiel ist Bruckmaiers taz-Artikel zur Neuauflage von Exile on Main St, in dem die Probleme eines pickligen Biertrinkers aus der deutschen Provinz zusammenkommen in mangelnder Attraktivität und im Unvermögen, den epochalen Rang der besprochenen Platte zu erfassen. Ganz anders als der blendend aussehende, gereifte Autor natürlich.

Trotz der Abneigung gegen Theorie-Exzesse dürfen natürlich auch apodiktische Feuilleton-Phrasen des Typs Ein kolossaler Irrtum. Wie alle schönsten Dinge des Lebens. nicht fehlen.