Einstürzende Geschäftsmodelle

Die Rechtsabteilung der New York Times hat einen großen Schritt ins 20. Jahrhundert gemacht und realisiert, dass es sog. Newsreader gibt. Diese Programme sind nach Auffassung der Hausjuristen illegal, und wie jeder richtige Bully greifen sie sich die jüngsten Newsreader, um ein Exempel zu statuieren.

Die Begründung ist bezieht sich nicht nur auf den Preis (The Pulse News Reader app, makes commercial use of the NYTimes.com and Boston.com RSS feeds, in violation of their Terms of Use) sondern auch auf das Browser-Fenster innerhalb des Readers (The app also frames the NYTimes.com and Boston.com websites in violation of their respective Terms of Use.).

Innerhalb weniger Stunden hat Apple den Rechtsgelehrten freundlicherweise die Funktionsweise von News-Feeds erläutert, so dass Pulse wieder verkauft werden darf. Das Thema könnte man also abschließen, wenn nicht sämtliche Mac-Geeks um ihr Lieblingsspielzeug fürchten würden – auch Instapaper entfernt schließlich Werbung von redaktionellen Inhalten und könnte den Zorn der Verlage auf sich ziehen. Zum Glück gibt Marco Arment Entwarnung:

If ads do get removed by the text parser, it's not as bad as some initially may assume: since each customer saw the complete page on the publisher's site before clicking Instapaper's Read Later bookmark, they already viewed the ads on the page.

Nutzt man Instapaper in Verbindung mit einem dieser vermaledeiten Newsreader, gilt das natürlich nicht. Deshalb hält Mr. Arment eine zweite Verteidigungslinie bereit:

If any publisher elects not to have their content readable in Instapaper, I gladly add them to an exclusion list. So far, that list has only one entry for a small Idaho newspaper's site.

Möchte sich die NY Times wirklich in eine Reihe mit einer kleinen Zeitung aus Idaho stellen? Na bitte. Darüber hinaus ist Instapaper zu sehr ein Nischenprodukt, als dass es Zeitungsverleger um den Schlaf brächte. Anders als der weniger leistungsfähige, aber von Apple selbst bereitgestellte Reader-Modus in Safari 5, der ein relativ neues Geschäftsmodell zerstören könnte, während die Ruinen des Vorgängermodells noch rauchen. Oder auch nicht. Immerhin bleibt den Verlagen neben der leserfreundlichen Gestaltung der eigenen Webseiten auch die Möglichkeit, iOS-Apps mit iAd-Integration zu veröffentlichen und Apple 40% der Werbeeinnahmen zu überlassen.