Vergissmein

Der niederländische Informatiker Harold van Heerde hat klug erkannt, dass Unternehmen gern Daten horten, weil man sie irgendwann mal brauchen könnte. Aus diesem Grund seien auch alle Ermahnungen durch Datenschützer für die Katz.

Um ständig wachsende Datensammlungen zu begrenzen, möchte er Daten deshalb mit einem Verfallsdatum versehen. Die Idee hat einen gewissen Charme: Eine halbverrottete Kundendatenbank könnte so zum Humus für ein Dating-Portal werden, und der monatliche anfallende Facebook-Mist würde hoffnungsvolle Spam-Firmen düngen. Die Frage ist nur: Was ist der Vorteil eines manuell zu implementierenden Verfallsdatums gegenüber einer vollautomatisch alternden Festplatte? Und was passiert, wenn man beide Methoden kombiniert und ausgerechnet das Verfallsdatum Jahre vor den eigentlichen Daten unlesbar wird? Genug Material für jede Menge Kongresse.

Der Bundesinnenminister immerhin bringt dem unerbittlichen Zahn der Zeit mehr Sympathie entgegen als Herrn Schaar, und ich habe den Eindruck, ein leises Zähneknirschen aus Wiesbaden zu vernehmen.