Geek vs. Nerd

Nicht erst seit den Wahlerfolgen der Piraten ist in Deutschland viel von Nerds die Rede. Im Juni widmete sich die Zeit verwundert den plötzlich coolen Strebern, vor einigen Wochen legte sie nach mit stolzen Strebern, die aus ihren Kellern ans Tageslicht geklettert sind. Und die neue IBM-Chefin dirigiert nach Ansicht der Süddeutschen Zeitung die Nerds. In so einer Atmosphäre tröstet selbst eine nett gemeinte Liebeserklärung der Kaltmamsell nicht.

WTF? Haben die deutschen Medienschaffenden eigentlich mal einen Blick in die englischsprachige WikipediaNerds are generally considered to be awkward, shy and/or unattractive by most. – geworfen? Oder sich überlegt, warum eine Wired-Kolumne Geek Dad heißt – und nicht Nerd Dad? Ein Nerd ist eine Witzfigur: Der bei seinen Eltern lebende Mann mit seltsamem Aussehen, noch seltsameren Interessen und einem bestenfalls irritierenden Humor, der seine freie Zeit wahlweise mit Comicsammeln, Hacken oder Rollenspielen verbringt. Und keinerlei gesellschaftlichen oder beruflichen Erfolg hat (auch wenn sich Hacker-Legende Richard Stallman große Mühe gibt, durch extrem zauseliges Auftreten und kompromisslose Lebensführung noch als Nerd durchzugehen).

Erfolgreiche Menschen mit überdurchschnittlichem Interesse für Nerd-Themen sind dagegen Geeks. Ein mehrfacher Familienvater aus Seattle etwa hat seine für Computer-Genies typische, etwas linkische Erscheinung genutzt, um als genialer Verkäufer mittelmäßiger Produkte ein kleines Vermögen zu machen. Ein anderer bekannter Geek übersetzte seine manische Begeisterung für bessere Technologie in konkrete Geräte, was ebenfalls recht gut funktioniert hat. Irgendwelche Vorteile muss eine fröhlich ausgelebte Obesession schließlich mit sich bringen.

Kurz: Geeks get it done. Zum Beispiel als coole Wahlsiegerinnen und hochbezahlte Entwicklerinnen.