ß 21

Nach einigen Anläufen hat auch die Süddeutsche Zeitung eine ernstzunehmende App veröffentlicht. Im direkten Vergleich mit der Zeit-App fehlt ein angepasster Browser für die SZ-Website – SZ Digital konzentriert sich auf die Druckausgabe. Das ist allerdings eher als Vorteil zu sehen; die Parallelität der beiden Ansichten habe ich immer als etwas unübersichtlich empfunden.

Ein weiterer Vorteil der digitalen SZ ist die deutlich aufwendigere Aufbereitung der gedruckten Zeitung. Farbige, gut navigierbare Bildstrecken und eingebettete Audio- bzw. Video-Inhalte bieten den berühmten Mehrwert, der allerdings auch seinen Preis hat (knapp 100 MB für eine Wochenendausgabe ohne Videos). Die einzelnen Seiten sind den Zeitungsseiten nachempfunden, so dass die Navigation dem Durchblättern einer Zeitung entspricht (was auch die Darstellung ganzseitiger Anzeigen einschließt). Ob das ein besonders gelungenes oder ein rückwärtsgewandtes Layout darstellt, sollen jüngere Menschen entscheiden, ich fühle mich jedenfalls angenehm an die gute, alte Papier-SZ erinnert (nur der ausgeprägte Flattersatz in den einzelnen Artikeln ist gewöhnungsbedürftig). Auf dem iPad 1 (iOS 5) gestaltet sich das Blättern manchmal etwas träge, was die SZ aber mit einigen anderen Apps gemeinsam hat.

Trotz des guten Gesamteindrucks weiß ich nicht, ob ich diese App häufig nutzen werde. Der Süddeutsche Verlag hatte mir vor einigen Monaten eine ePub/Mobi-Version der SZ angekündigt, und eine ganze Zeitungsausgabe lese ich nach wie vor lieber mit dem Kindle. Zumal die SZ auf dem iPad nur unwesentlich offener ist als die Zeit: Zwar lassen sich vollständige Artikel per E-Mail aus der App versenden, die Verbindung mit einem auf der Website verfügbaren Text kann man dagegen nicht herstellen. Das ist einigermaßen unverständlich. Wenn ich einen Link versende, werden Pageviews generiert. Liest die Empfängerin den Artikel innerhalb meiner E-Mail, besteht höchstens die (geringe) Chance, dass sie sofort das Digitalpaket der SZ bestellt.