Lost In Translation

In ihrer Rede zur Eröffnung der Hannovermesse hat Angela Merkel Bezug genommen auf innenpolitische Probleme mit japanischem Ursprung:

Mit Fukushima hat das Wort "Restrisiko" für die ganze Welt eine neue Bedeutung bekommen. Galt es bisher als kalkulierbar und damit beherrschbar, steht es jetzt für reale Gefahr. Das dürfen auch Länder nicht ignorieren, die nicht unmittelbar von der Katastrophe betroffen sind.

Die Denotation des Restrisikos – Wahrscheinlichkeit, dass ein unerwünschtes Ereignis trotz Eliminierung vieler das Ereignis begünstigender Faktoren eintritt – lässt sich natürlich von den Vorgängen in Fukushima nicht beeindrucken, und die Übersetzung Berechne und beherrsche für Divide et impera würde auch bei sehr großzügigen Lateinlehrern nicht durchgehen. Was Frau Merkel eigentlich sagen wollte:

Mit Fukushima hat das Wort "Restrisiko" für wahlabhängige Atomkraftbefürworterinnen in der ganzen Welt einen erheblich bedrohlicheren Klang bekommen bekommen. Funktionierte es bisher als Euphemismus für die Möglichkeit einer atomaren Katastrophe und damit als politischer Schutzschild, steht es jetzt für verlorene Wahlen. Das dürfen auch Politikerinnen nicht ignorieren, deren Länder nicht unmittelbar von der Katastrophe betroffen sind.

In Sachen Klartext kann die Bundeskanzlerin noch viel von ihrem Wirtschaftsminister lernen.