Don Heuser

Schon vor einigen Monaten hat Jan Ross in der Zeit demonstriert, dass strammer Marktliberalismus und fehlendes Verständnis für Mengenlehre durchaus kompatibel sind:

Es mag richtig sein, dass der hergebrachte Wachstumsbegriff politisch nicht mehr viel taugt, weil zu viel energieverbrauchendes, müllproduzierendes Wachstum schädlich ist. Dann kann der Staat diese Art Wachstum bremsen, entmutigen oder verbieten. Doch ein alternatives, besseres Wirtschafts- und Lebensmodell entwerfen, eine amtlich empfohlene Wertordnung schaffen, nach der ressourcenschonende Beschaulichkeit besser ist als hektisches Geldverdienen und wahrer Fortschritt gar nicht jener Zuwachs an technischem Komfort, den die blöden Durchschnittsbürger dafür halten – das kann und darf der Staat nicht. Für die Festlegung und Erfüllung von Daseinszwecken ist er nicht zuständig, das muss er schon den Einzelnen überlassen.

Der von ihm befürchtete Tugendstaat darf also durchaus Lebensmodelle verbieten, aber auf keinen Fall andere propagieren. Mit dieser Einschränkung sollten auch hartleibige Dirigistinnen leben können. Schon einige Seiten später kommt Heinz Bude allerdings zu ganz anderen Schlüssen (Am Ende kommt auch die Politik nicht an der Frage nach dem richtigen Leben vorbei.), und auch Frank Drieschner lässt in der nächsten Ausgabe kein gutes Haar am engagierten Plädoyer des festangestellten Zeit-Redakteurs mit Hochschulabschluss.

In so bedrängter Lage springt der Ressortleiter Dr. Heuser dem Kollegen Ross zur Seite:

Doch vergessen wir nicht, dass Deutschland erst mit der liberalen Agenda 2010 wieder auf die Beine kam und nicht mit linker Umverteilung. Heute konkurrieren die Arbeiter im Westen eben mit einer Milliarde Chinesen, Inder [sic!] und Brasilianer [sic!], die früher nur das Nötigste aus ihrem Feld herausholten und nunmehr als Bauern, Industriearbeiter oder Computerdienstleister am Weltmarkt teilnehmen. Da führt das Beharren auf hohen Löhnen und mehr Wohlfahrtsstaat schnell in die Massenarbeitslosigkeit.

So führt man eine Debatte! Vielleicht sollte sich der nette Wirtschaftsminister häufiger die Godfather-Trilogie und den Wirtschaftsteil der Zeit zu Gemüte führen.