Altersstarr- und Wahnsinn

Teil des normalen Alterungsprozesses ist ein langsamer Wechsel vom progressiven in den konservativen Bevölkerungsteil. Ich erlebe das derzeit beim Thema Really Simple Syndication, denn Marco Arment (ausgerechnet!) plädiert für eine nicht geistesgestörte RSS-Nutzung, die bei näherem Hinsehen einem Nachrichtenzölibat gleichkommt:

[Letting other people filter popular news sites for you] is critical to sane RSS usage so you don’t need to subscribe to the frontpage feeds of high-volume blogs (Engadget, Lifehacker), aggregators (Reddit, Hacker News), or general news sites (The New York Times, CNN). If you like those sites, either browse them manually without RSS whenever you feel like it, or just wait for people to link to it from Twitter, Tumblr, Facebook, or Google’s social network of the year. And let this role inform your following decisions on these networks. [...]

RSS is best for following a large number of infrequently updated sites: sites that you’d never remember to check every day because they only post occasionally, and that your social-network friends won’t reliably find or link to.

Other people? Wenn die Klontechnologie nicht in den nächsten zwei Jahren ganz erhebliche Fortschritte macht, wüsste ich nicht, wem ich guten Gewissens meine Filterei überlassen könnte. Mal ganz abgesehen davon, dass auch andere Leute ohne ein umfangreiches Feedfüllhorn nicht mehr wüssten, welchen Zweck Instapaper eigentlich hat.

Aber just als ich meine Manschettenknöpfe für die Komposition eines empörten Leserbriefs ablegen will, kommt mir der gute Koi Vinh zuvor:

I quite enjoy having tons of profligate feeds in Google Reader. Doing so lets me occasionally graze through content streams that I would otherwise never remember to return to in my Web browser. It works great for me, and I don’t feel like I’m doing it wrong or that it’s bad for me at all.

Da Mr. Vinh auch zur elektronischen Post sehr vernünftige Ansichten hat, kann ich mir vorstellen, in einigen Jahren neben ihm auf einer sonnenbeschienen Veranda zu sitzen und gemeinsam auf die immer schlechter werdenden Zeiten im Allgemeinen und alberne neue Technologien im Besonderen zu schimpfen.