Punktschmerz

Eine Hamburger Journalistin lernt einen netten, aber ziemlich gehemmten Mann kennen. Sie schreibt über diese frustrierende Erfahrung und verwendet den definiten Artikel versehentlich so, dass unvoreingenommene Leserinnen und Leser den Ausdruck der junge Mann als generisch interpretieren. Prompt wird in Hamburg erregt darüber diskutiert, ob es gehemmte Männer geben dürfe, wer an ihrer Existenz schuld sei und ob nicht gehemmte Männer überhaupt noch zu finden seien. Aus Berlin kommen der gute Rat an die Journalistin, einfach selbst die Initiative zu ergreifen, sowie der etwas unromantische Hinweis, dass es schließlich noch andere Männer gebe.

Frankfurt gibt in einem sauber ausbalancierten Essay zu Protokoll, dass in Liebesdingen eben alles sehr kompliziert sei. Und in München? Dort ist die Welt noch in Ordnung: Männer (konkret: Väter) sind zielstrebige Blender, die aus taktischen Gründen Modernität simulieren.

Da soll noch jemand sagen, in Deutschland gebe es keine engagierte Debattenkultur. Ich wundere mich nur ein bisschen, wie bereitwillig das Feuilleton die Verhältnisse im eigenen Soziotop immer wieder zu gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen oder sogar Zuständen aufbläst.