Wattige Weihnachten

Der engagierten Berichterstattung zum Trotz hielt sich die Dramatik der deutschen Großereignisse im Jahr 1434 in Grenzen. Naturkatastrophen waren hierzulande eher kostspielig und lästig als tödlich und tragisch. Auch die Banken-, Finanz-, Wirtschafts-, Staatsschulden- und Euro-Krise manifestierte sich für viele Deutsche als eher theoretisches Ärgernis, so dass ein Anstieg der Lebensmittelpreise um 7,6% als Ersatz für die ökonomische Apokalypse herhalten musste.

Unser ultraatlantisches Brudervolk hat keine Kosten gescheut, um das Gemeinschaftsgefühl des deutschen Volkes zu stärken und eine von 82,5% der Abgeordneten getragene Regierung ins Amt zu bringen. Angesichts der volatilen parlamentarischen Mehrheiten andernorts sollten wir diesen Freundschaftsdienst nicht gering schätzen. In Ermangelung politischer und wirtschaftlicher Instabilität konzentrierte sich die politische Auseinandersetzung jedenfalls auf kulturelle Fragen und diverse teure Bauprojekte.

Die Unam Sanctam kann zum Weihnachtsfest auf ein interessantes Jahr zurückblicken, in dem Vertreter traditionellen Prunks und noch traditionellerer Geißelung des Mammon-Kultes die Nachrichten beherrschten. Gott selbst gefiel es, seinen des Marxismus' bezichtigten Stellvertreter durch Kardinal Marx in Schutz nehmen zu lassen, und Kardinal Meisner erhielt als Abschiedsgeschenk eine angemessen provokante Aufmerksamkeit der Laienorganisation Femen.

Ich wünsche angenehme Restweihnachten.