Lachendes Liebfrauenhaus: Das Familienfördergespräch

Elternberater: Guten Abend, meine Damen und Herren, im Namen der Stadt Köln begrüße ich Sie herzlich zum Informationsabend der Stadtverwaltung! Unser Thema heute: Der Bürgerhaushalt. Viele von Ihnen fragen sich ja: Sparbemühungen und zusätzliche Leistungen wie das Betreuungsgeld – wie passt das zusammen? Ich kann Sie beruhigen: Die Stadt Köln hat mit dem Familienfördergespräch eine kölsche Lösung gefunden. Mit jedem …

[Es klopft.]

Elternberater: Ah, da sind auch schon meine nächsten Klienten. Herein!

[Eltern treten ein, ein schlafendes Baby auf dem Arm.]

Eltern [glücklich strahlend]: Guten Tag!

Elternberater Guten Tag, Frau Schmitz… Herr Schmitz… bitte, nehmen Sie doch Platz. [leiser] Oh, das Kleine schläft… was für ein süßes Kind.

[Eltern lächeln sich stolz an.]

Elternberater: Schön, schön… [sieht in seine Unterlagen] Dann wollen wir doch gleich mal gemeinsam durchgehen, auf welche Leistungen Sie als junge Familie Anspruch haben.

[Eltern nicken erwartungsvoll.]

Elternberater: Da hätten wir zunächst den Kindergeldantrag. Einfach ausfüllen, eine beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde beilegen und an die zuständige Familienkasse bei der Arbeitsagentur hier in Mülheim senden [legt ein Adresskärtchen auf den Antrag] – oder sind Sie im öffentlichen Dienst beschäftigt?

[Die Mutter nickt.]

Elternberater: Dann ist die Familienkasse beim Landesamt für Besoldung und Versorgung zuständig [noch ein Adresskärtchen]. Wegen des Steueranteils gebe ich Ihnen auch gleich die Anlage K für Ihre Steuererklärung mit – brauchen Sie die Ausfüllhinweise? [hebt ein gebundenes Heft hoch] Na, schaden kann es nicht.

Vater [etwas eingeschüchtert]: Sollen wir das gleich jetzt…?

Elternberater [wohlwollend]: Natürlich, dafür sitzen wir ja hier. [reicht dem Vater einen Stift, der beginnt zu schreiben] Wo wir gerade beim Thema Steuern sind – wenn Sie mal einen Babysitter haben, können Sie bis zu 20% der Kosten, bei einer Tagesmutter bis zu 66% der Kosten steuerlich geltend machen. Jeweils bis 4000 Euro, bei der Tagesmutter gilt der Höchstsatz allerdings pro Kind. Bei einem Kind wären das also bei jährlichen Kosten von 8000 Euro genau 1600 Euro. Oder eben 4000 Euro. Bei zwei Kindern wieder 1600 Euro. Oder eben 5280 Euro. Das ist natürlich unabhängig vom Kinderfreibetrag, der neben der Einkommensteuer auch die Kirchensteuer und den Solidaritätszuschlag reduziert. Auf den aber das Kindergeld angerechnet wird. Die Ausfüllhinweise haben Sie ja schon.

Mutter [zaghaft]: Das klingt alles ziemlich kompliziert.

Elternberater [winkt ab]: Alles Gewöhnungssache, spätestens beim dritten Kind haben Sie raus. Mal eine ganz andere Frage: Ist Ihre Beziehung derzeit eigentlich… stabil?

Eltern: Wie bitte?

Elternberater [ungerührt]: Als Alleinerziehende könnten Sie nämlich noch einen Entlastungsbetrag…

Eltern [entrüstet]: Aber…

Elternberater [beruhigend]: Ja, ich weiß, was Sie sagen wollen. Aber keine Sorge: Als Ehepaar profitieren Sie vom Ehegattensplitting. Das lohnt sich rechnerisch bei einem Gehaltsunterschied von mehr als [tippt auf einem Taschenrechner herum] 3987 Euro jährlich und einem gemeinsamen Gesamteinkommen von etwa 45000 Euro mehr als der Entlastungsbetrag für eine Alleinerziehende mit einem Einkommen von etwa 25000 Euro.

[Die Eltern sehen sich verwirrt an. Der Elternberater reicht der Mutter ein Formular.]

Elternberater: Kommen wir zum Elterngeld. Der Antrag geht an die zuständige Elterngeldstelle hier in Köln. Achtung: Nicht an die Familienkasse! [reicht den Eltern ein weiteres Papierbündel] Neben der beglaubigten Kopie der Geburtsurkunde sind beglaubigte Kopien Ihrer Einkommensnachweise der letzten 12 Monate beizufügen. Gemeinsam können Sie 14 Monate in Anspruch nehmen – Alleinerziehende…

Eltern [wütend]: Wir sind nicht alleinerziehend!

Elternberater [ungerührt]: Also innerhalb der maximalen Elternzeit von 3 Jahren. Ich empfehle immer die 5–9–12–10-Regelung – einfach und transparent. Die ersten fünf Monate der Elternzeit mit vollem Elterngeldanspruch nehmen Sie in Anspruch [nickt der Mutter zu], die verbleibenden Elterngeldmonate beantragen Sie [nickt zum Vater], anschließend bleibt Ihre Frau ein Jahr zu Hause, und zum Schluss Sie noch einmal 10 Monate.

Vater [ärgerlich]: Ja, ja, das sehen wir uns zu Hause in Ruhe an.

Elternberater: Natürlich, kein Problem – wenn Sie die Fristen im Blick behalten. [reicht dem Vater einen weiteren Merkzettel] Oder Sie wählen die 8–12–12–4-Variante. Lohnt sich besonders mit Geschwisterbonus von 10%, mindestens 75 Euro. Das zweite Kind müsste dann spätestens am…

Mutter [irritiert]: Welches zweite Kind?

Elternberater: Na, das Geschwisterkind. Oder wollen Sie sich den Bonus entgehen lassen?

Eltern: Nein, aber…

Elternberater [triumphierend]: Sehen Sie! Mit dem Freibetrag können Sie auch den Progressionsvorbehalt des Elterngeldes etwas abmildern. Was die Höhe des Elterngeldes angeht: Häufig liest man ja, das Elterngeld betrage 67% des durchschnittlichen Einkommens. Das gilt natürlich nur bei einem Nettoeinkommen zwischen 1000 und 1200 Euro. Unter 1000 Euro erhöht sich der Prozentsatz um 0,1 Prozentpunkte für je 2 Euro weniger auf bis zu 100 Prozent, über 1200 Euro sinkt der Prozentsatz um je 0,1 Punkte auf bis zu 65%, maximal sind das 1800 Euro ab einem Einkommen von 2770 Euro. Maßgeblich ist in diesem Fall natürlich das Einkommen der Elterngeldbezieherin, nicht das gemeinsame Familieneinkommen.

Vater [genervt]: Wo müssen wir denn jetzt was…

Elternberater [greift nach den Formularen]: Na, sehen Sie – das Kindergeld hier, dann die Anlage K zur Steuererklärung, der Elterngeldantrag und hier die Ausfüllhinweise. Weitere Informationen finden Sie im ausführlichen Kommentar zur Familienbesteuerung. [reicht der Mutter ein weiteres Heft] Das ist eine etwas ältere Ausgabe, die aber im Wesentlichen mit den Ausfüllhinweisen übereinstimmt, abgesehen von den Regelungen zum Geschwisterbonus. Am besten lesen Sie beides parallel, dann sind Sie auf der sicheren Seite.

[Eltern blättern missmutig in den Papierstapeln.]

Elternberater: Ganz wichtig: Die Familienmitversicherung! Bei Ihrer Krankenkasse zu beantragen [reicht dem Vater ein Formular] – oder sind Sie eventuell verbeamtet?

Mutter [widerwillig]: Ja, ich bin Lehrerin…

Vater: Also, ich bin’s jetzt leid.

Elternberater [ignoriert den Vater, zur Mutter gewandt]: Dann haben Sie einen Beihilfeanspruch für Ihr Kind, und natürlich Anspruch auf Kinderzulage [reicht der Mutter einen Packen Formulare]. Die Anträge reichen Sie beim Landesamt für Besoldung und Versorgung ein, nachrichtlich gehen alle Unterlagen auch an die Personalabteilung Ihrer Dienststelle. Jeweils mit beglaubigten Kopien der Geburtsurkunde.

[Vater und Mutter füllen Formulare aus und blättern in Ausfüllhinweisen.]

Elternberater [blättert in weiteren Formularen]: Ach!

[Eltern blicken aufgeschreckt hoch.]

Elternberater Jetzt hätte ich doch fast die Kinderzulage im Riestersystem vergessen. Haben Sie einen Riester-Vertrag abgeschlossen? [der Vater nickt zögernd] Sehr gut. Auf gemeinsamen Antrag [reicht dem Vater weitere Formulare] können Sie die Kinderzulage, die normalerweise Ihrer Frau zusteht…

Mutter [entschlossen]: Mir reicht’s. [blickt ihren Mann an] Wir sind doch auch vorher gut zurecht gekommen. Jetzt sag doch mal was!

Vater [blickt unsicher zum Elternberater]: Aber unsere Ansprüche…

Elternberater [gewinnend]: Und denken Sie an die Bauförderung! In Köln bekommen Sie die Grundpauschale K3 mit Kinderbonus und Stadtbonus… [hält einen Papierstapel in die Höhe]

Eltern [stehen auf]: Wir verzichten!

Elternberater [gespannt]: Auf alles?

Eltern: Jawohl!

[Eltern verlassen die Bühne.]

Elternberater [greift lächelnd zum Telefon]: Ja, Martin hier… Christian und Anja Schmitz waren gerade bei mir, Aktenzeichen 2013/144/94. Hat wunderbar geklappt: Sie verzichten auf sämtliche Fördermaßnahmen. Bundes- und Landesleistungen können in den städtischen Haushalt umgebucht werden. Ja, auch das Kindergeld. Ja, ja, bis morgen. [legt auf, zum Publikum] So. Und wenn jetzt noch das Betreuungsgeld als Bundesleistung kommt, haben wir 2014 einen ausgeglichenen Haushalt. Vielen Dank.