Bundestagswahl 2013 in leichter Sprache

Ergänzend zur vereinfachenden Darstellung politischer Themen im Fernsehen bieten einige Parteien im Bundestagswahlkampf 2013 auch ihre umfangreichen Wahlprogramme in Kurzform und vor allem in leichter Sprache an. Leichte Sprache ist u.a. sehr bindestrichhaltig und kennt keinen Genitiv. Leider stellen meine Einträge in diesem Blog meist eine eklatante Verletzung sämtlicher Regeln leichter Sprache dar, weshalb ich die vollmundig behauptete Barrierefreiheit meiner Website mit dem Ausdruck des Bedauerns relativiere. Was aber die Wahlprogramme angeht, erlauben sie einen erhellenden Blick auf die Parteien.

Die wichtigsten Ziele der Piratenpartei bleiben auch in leichter Sprache abstrakt, und Piraten können sich nicht kurz fassen (52 Seiten). Trotz des platzsparenden generischen Maskulinums.

Das generische Maskulinum verbindet die CDU/CSU mit der Piratenpartei, ansonsten recht wenig: Die Union spricht sich eindeutig für mehr Kontrolle (Wir wollen: Mehr Über-Wachung. Mit Kameras.) und gegen Bilderdiebe (Verbrecher im Internet) aus.

In Bezug auf den Mindestlohn erklärt sie sich wortreich für unzuständig:

Jeder soll eine gute Arbeit haben. Und genug Geld verdienen. Das muss festgelegt werden. In einem Vertrag. Oder in Regeln. Damit man sich darauf verlassen kann.

Im Umkehrschluss heißt das wohl, dass man sich auf Gesetze nicht verlassen kann. Beim Thema Inflation fehlen der Regierungspartei volkswirtschaftliche Grundkenntnisse (Wenn die Leute mehr Lohn kriegen, sollen nicht auch die Preise steigen.). Sehr elegant ist dagegen die Erhebung Angela Merkels in den Rang einer Institution:

Jedes Land in der Europäischen Union ist selbst-ständig. Das heißt zum Beispiel:

Das finden wir gut. Das soll so bleiben!

Zu dieser Sichtweise auf die Bundeskanzlerin passt auch die protestantische Bildervermeidung des Wahlprogramms.

Die Linke fasst sich vorbildlich knapp (8 Seiten mit Deckblatt und Impressum) und muss sich deshalb auf ihr Kernthema beschränken.

Die SPD beginnt mit einer längeren Erläuterung der Wahlmodalitäten einschließlich der Briefwahl und des kombinierten Mehrheits- und Verhältniswahlrechts. Das passt zur aktuellen Sitation der Partei: Sehr verdienstvoll, aber wenig populär. Peer Steinbrücke wird en passant als Spitzenkandidat vorgestellt, ist aber nicht Bestandteil der politischen Ziele (vgl. CDU/CSU). Die gendergerechte Sprache ist etwas halbherzig umgesetzt und umfasst Menschen in der Politik und im Gesundheitssystem, nicht aber den Makler.

Charakteristisch für Bündnis 90/Die Grünen ist der Aufbau des Wahlprogramms. Den Einstieg bildet ein warnender Hinweis (Aber nur das Original-Wahlprogramm ist gültig.), den die anderen Parteien deutlich weniger prominent platzieren. Auf den Schreck folgen Impressum, Inhaltsverzeichnis, Vorwort, ein achtseitiges Glossar der schwierigen Wörter und schließlich ab Seite 14 die Inhalte des Wahlprogramms. Man scheint in der Kampagnenleitung zu glauben, dass der Bedarf für leichte Sprache stets mit großer Geduld einhergeht.

Die FDP verzichtet auf ein Wahlprogramm in leichter Sprache und setzt stattdessen auf die professionellen Vereinfacherinnen und Vereinfacher der Bild-Redaktion (Keine Steuererhöhungen, keine Soli-Verlängerung und keine Ampel-Koalition).