Desorientiert

Nicholas Berggruen schwärmt von Meritokratie und einem gesellschaftlich anerkannten Gremium von erfahrenen Staatsdienern, ohne jedoch beherzt die Abschaffung der Demokratie zugunsten der Philosophenherrschaft zu fordern. Er möchte prinzipiell mehr Steuern zahlen, lässt seine Firmen aber vorerst nur die überraschend niedrigen Steuersätzen der miteinander konkurrierenden Länder abführen. Er nötigt Politikerinnen zu Bekenntnissen gegen die Jugendarbeitslosigkeit, kann aber leider wegen der strikten Trennung zwischen den Intiativen seines Think Tanks und seinen Unternehmen selbst keine praktische Hilfe leisten.

Wenn diese Desorientierung für Milliardäre typisch ist, kann ein Protest gegen soziale Ungleichheit schon mal als Vorbote eines sozialistischen Reichenhasses wahrgenommen werden. Glücklicherweise sind weder Herr Berggruen noch Herr Perkins auf eine Krankenversicherung oder staatliche Unterstützung angewiesen, um eine längerfristige Orientierungshilfe zu finanzieren. In den ersten Monaten dürfte das mittelfristige Ziel der Therapie allerdings nicht explizit genannt werden – die Verwechslungsgefahr mit einem massiv angstbesetzten Begriff könnte sonst hektische Finanztransaktionen oder offen antidemokratische Affekte auslösen.