Staatsschausteller

Roger Willemsen missfällt der Unterschied zwischen öffentlichen und internen Umgangsformen innerhalb des deutschen Bundestages:

Seit der Veröffentlichung des Buches habe ich immer wieder mit Parlamentariern gesprochen, die mir erzählt haben, wie gut man sich in den Ausschüssen verstehe, um dann giftend vor das Mikrophon zu treten, um anschließend untereinander zu behaupten, dass der Auftritt gerade eben nur ein Schauspiel gewesen wäre und nicht ernst zu nehmen sei. Das widerspricht meiner Vorstellung von dem was Haltung ist: Der Beglaubigung eines Standpunktes durch die ganze Person.

Da möchte man natürlich spontan und mit ernster Miene zustimmen. Ich bin andererseits nicht sicher, wie viele Menschen einen kollegialen Umgangston im politischen Betrieb und eine sachliche Diskussion der minimalen Differenzen akzeptieren würden. Neben der möglichst effizienten Sacharbeit ist die Inszenierung großer politischer Gegensätze eben auch ein Teil des Aufgabenprofils (selbst wenn die Deutschen das ganz große politische Drama seit 1945 und seit 1990 eher meiden und aktuell für eine betont sachliche Bundeskanzlerin schwärmen).