Entzündete Schnittstellen

Don Dahlmanns Erkenntnis bezüglich der stabilen Netzanbindung der eigenen Wohnung – Mit laufendem Providerverträgen, die sorgenfreies Internet liefern, verhält es wie mit stabil laufenden Rechnern und schlafenden Babys: Einfach in Ruhe lassen.überträgt Antje Schrupp auf ihre Haltung zur nahenden Cyborgisierung größerer Bevölkerungskreise. Neben den sehr klugen und grundsätzlichen Überlegungen kann ich vor allem ihre Einstellung zum eigenen Körper gut nachvollziehen:

Der einzige Versuch von Körpermodifikation in meinem Leben war ein gestochenes Ohrloch, das sich hinterher permanent entzündete. Dann kam ich zu der Überzeugung: Mein Körper ist völlig okay so, wie er ist, no need to improve. No need im doppelten Sinn des Wortes – keine äußere Notwendigkeit, weil ich keine gesellschaftlichen Normen darüber, wie ein (weiblicher) Körper auszusehen hat, akzeptiere, und keine innere Notwendigkeit, kein Bedürfnis meinerseits, weil – ja, so banal: Ich Angst vor Arztbesuchen und medizinischen Eingriffen aller Art habe.

Ich habe ein etwas ehrfürchtiges Verhältnis zu meinem Körper, oder, wie man früher sagte, meinem Leib, den ich nämlich nicht habe, sondern der ich bin. Wenn ich ihn mit jeder x-beliebigen Maschine vergleiche, die ich kenne, hat mein Leib (habe ich) eine außergewöhnliche Fähigkeit zum fortwährenden Funktionieren, relativ geringen Wartungsbedarf, wenn man seine Komplexität betrachtet, und eine erstaunlich weitreichende Fähigkeit zur Selbstreparatur. Und meine gesamte Existenz ist von ihm abhängig, geht mein Leib kaputt, bin ich selbst kaputt, schlimmstenfalls sogar tot. Also ehrlich, da gehe ich lieber auf Nummer sicher. Never change a running system.