Barbiebücher

Deutsche Verlage sind auch dann von besten Absichten getragen, wenn sie Geschlechterstereotypen zementieren. Der Verlag S. Fischer bietet zum Beispiel textarme Superhelden-Geschichten (Coole Helden, fiese Schurken, atemberaubende Spannung und jede Menge Action) nur für Jungs an und betrachtet das als Beitrag zur Leseförderung bei der leider wachsenden Gruppe der lesefaulen und leseschwachen Jungs. Mädchen sollen selbstverständlich durch die eigentlich unmissverständliche Botschaft nicht ausgegrenzt werden – sie verstehen nämlich den pädagogischen Impetus hinter dem uneigentlichen nur für Jungs und haben schon viele positive Rückmeldungen gegeben.

Falls sich Mädchen aus unerfindlichen Gründen doch ausgegrenzt fühlen sollten, können sie zur Stärkung ihres Selbstbewusstseins auf das Angebot des Thienemann-Verlags zurückgreifen – mit Hilfe der besten Tipps & Tricks für Beauty und Selbstbewusstsein lernen sie, Makel zu kaschieren und Erfolg bei Jungs zu haben. Immerhin ist Ich fühl mich gut dem Verlag mittlerweile etwas peinlich, und eine Verlagsvertreterin rechtfertigt sich wortreich: Nach dem Hinweis, dass die zuständige Lektorin nicht mehr für Thienemann tätig sei, folgen ein Exkurs zur Pubertät, die Gegenüberstellung des Ersterscheinungsdatums (2004/2006) und aktuellem Zeitgeist und schließlich der trotzige Verweis auf die damals sehr guten Verkaufszahlen.

Vermutlich ist das auch die ehrlichste Antwort auf kritische Rückfragen: Deutsche Verlage sind wie Mattel gewinnorientierte Unternehmen, und klischeearme Kinderbücher sind ein Zuschussgeschäft.