Lachendes Liebfrauenhaus: Der Wohnungsmakler

Einmarsch des Wohnungsmaklers, er verteilt Exposés:

Traumwohnung

provisionsfrei* zu vermieten, in Köln-Mülheim, verkehrsgünstig am Clevischen Ring gelegen.

4 Zimmer, 92 qm, 2100 Euro (kalt)

Luxuriöse Residenz für höchste Ansprüche. Exklusive Sonderausstattung (gefliestes Badezimmer mit Einhebelmischer am Waschbecken, Heizung in allen Wohnräumen (ausgenommen Schlaf- und Badezimmer), Kippfenster im Schlafzimmer, zwei Wohnungsschlüssel).

„Kompromissloser Luxus für höchste Ansprüche“

Bitte reichen Sie Ihr Mietgesuch mit ausführlichem Bewerbungsschreiben und folgenden Unterlagen im Original ein (Kopien werden nicht akzeptiert!):

* Die Maklercourtage trägt gemäß §2 (1a) WoVermG der Vermieter.

** Von §2 (1a) WoVermG nicht berührt ist laut § 3 (2b) der Grundordnung des Rings Deutscher Makler die allgemeine Bearbeitungsgebühr für Mietgesuche i.H.v. 0,2 Monatsmieten.**

Edelhard von Bergfeld, approbierter Makler (RDM), Nordallee 1, 50968 Köln-Marienburg

Makler: Einen wunderschönen guten Abend, meine Damen und Herren – ich freue mich, Sie heute Abend in diesem traumhaften Liebhaber-Objekt begrüßen zu dürfen, das ich im Auftrag der katholischen Kirchengemeinde St. Clemens und Mauritius vermakeln darf. Der Andrang ist natürlich groß, und ich möchte Ihnen nicht zu viele Hoffnungen machen, dass Sie es auf die begehrten ersten 200 Plätze der Warteliste schaffen. Ihr Mietgesuch samt Einkommensnachweisen, Bürgschaften, Arbeitszeugnissen, ärztlichen Attesten, DNA-Profilen und – ganz wichtig! – die Lastschriftermächtigung können Sie meinen reizenden Assistentinnen gleich am Ausgang übergeben, die Bearbeitungsgebühren ziehen wir dann bequem von Ihrem Konto ein.

Der Makler blickt sich strahlend um und zieht eine Liste hervor.

Makler: So, dann wollen wir mal sehen, wer es heute auf Platz 1 der Liste geschafft hat: Familie Kretschberg – 3 Kinder, wohnhaft in Köln-Kalk... ach, da kommen sie schon.

Die Kretschbergs betreten die Bühne, sehen sich nervös um.

Herr Kretschberg, nervös: Guten Tag, wann können wir den Vertrag denn unterschreiben?

Makler, irritiert: Moment... so schnell geht das aber...

Herr Kretschberg: Ja, und wegen der Kaution – die kann ich frühestens in drei Wochen überweisen. Ich habe da eine größere Zahlung in Aussicht und...

Das jüngste Kind: Papa?

Frau Kretschberg: Nicht jetzt, Leo!

Das mittlere Kind: Papa, warum müssen wir...

Frau Kretschberg: Ruhig!

Das älteste Kind: Mensch, Lia, Du kennst das doch: Immer wenn wir 6 Monate nicht gezahlt haben, werden wir rausgeworfen...

Herr Kretschberg, lacht gezwungen: Hahaha! Die Kinder spielen wieder irgendein...

Das jüngste Kind: Ich will aber nicht schon wieder die Schule wechseln!

Makler, eisig: Wir melden uns.

Die Kretschbergs verlassen die Bühne mit betretenem Gesichtsausdruck.

Makler, entrüstet: Mietnomaden! Kriminelle!

Atmet tief durch, blickt auf die Liste und streicht den Namen Kretschberg energisch durch.

Makler: Und jetzt kommt – die Familie Bosfeldt – ebenfalls 3 Kinder, bisher wohnhaft in Duisburg... ach, das ist aber nett! Eine kleines Lesezeichen im Mietgesuch – Geld scheint bei den Bosfeldts kein Problem zu sein.

Der Makler blickt erwartungsvoll zur Treppe. Die Bosfeldts betreten die Bühne, Vater und Mutter in schwarzem Leder, großflächig tätowiert und mit Sonnenbrillen.

Herr Bosfeldt packt die Hand des Maklers und schlägt ihm wuchtig auf die Schulter: Moin, Kollege...

Makler, sinkt leicht in die Knie: Kollege? Ähm... Sie vermakeln auch...?

Herr Bosfeldt, grinst breit: Na ja, nicht direkt, aber der Ring Deutscher Makler ist doch ähnlich organisiert wie die Hell's...

Frau Bosfeldt, funkelt ihren Mann wütend an: Manni!

Sie lächelt den Makler an.

Frau Bosfeldt: Der Vermieter ist doch einverstanden, wenn wir auf unsere Kosten Sonderausstattung einbauen, oder?

Makler, verwirrt: Sonderausstattung?

Das älteste Kind: Die Spezialtür hat das SEK auch aufgekriegt.

Das jüngste Kind, begeistert Mit einem Bagger!

Herr Bosfeldt: Ja, aber diesmal kaufen wir eine richtige Panzertür!

Makler: Ich verstehe nicht ganz...

Frau Bosfeldt, vermittelnd: Mein Mann hat nur Sorge wegen der vielen... Wohnungseinbrüche in letzter Zeit.

Makler, beruhigt: Ach so... ich kann Ihnen versichern, dass Köln-Mülheim einer der sichersten Stadtteile...

Herr Bosfeldt, ungeduldig: Schon klar, Kollege... aber ich müsste noch mal checken, ob man von den Fenstern aus alle Zufahrtswege im Blick behalten kann.

Das mittlere Kind, trocken: Papa will nicht wieder mitten in der Nacht von den Bullen aus dem Bett gezerrt werden.

Das jüngste Kind, stolz: Aber er hat noch drei SEK-Bullen plattgemacht, bevor sie ihn gefesselt haben!

Herr Bosfeldt und das jüngste Kind klatschen sich ab. Der Makler versteht und weicht langsam zurück.

Makler, verkrampft lächelnd: Ach so. Ja, ja. Wir... melden... uns.

Herr Bosfeldt, breit grinsend: Das will ich doch hoffen – ich weiß, wo Du wohnst, Alter...

Die Bosfeldts verlassen die Bühne. Der Makler tupft sich den Schweiß von der Stirn.

Makler: "Kollegen." So eine Frechheit! Das Bundesverfassungsgericht hat ausdrücklich bestätigt, dass der Ring Deutscher Makler keine klassische kriminelle Vereinigung ist und nur einige regionale Chapters... ich meine Regionalverbände mit Schutzgeld – aber lassen wir das. Wer kommt denn als Nächstes – die Familie Schneelen, aus der Südstadt. Ah! Beide verbeamtete Lehrer! Das klingt doch vielversprechend... da kommen sie auch schon... mit 5 Kindern und einem großen... Hund?

Die Schneelens poltern auf die Bühne. Das jüngste Kind rennt gegen den Makler und wirft ihn fast um. Das mittlere Kind kann den (imaginären) Hund nicht bändigen, der mit ihm von der Bühne rast und im Off herumpoltert.

Herr Schneelen, sehr entspannt: Hallo, mein Freund... was für eine schöne Wohnung...

Makler, richtet sich auf: Äh, ja. Genau... sehr schön. Echter Parkettboden und...

Man hört ein lautes Hacken, weil das älteste Kind mit einer kleinen Axt den Boden bearbeitet. Der Makler blickt erst das Kind, dann den Vater entsetzt an.

Herr Schneelen, weiterhin sehr entspannt lächelnd: Guntram hat eine neue Axt bekommen und geht schon sehr geschickt mit ihr um.

Frau Schneelen, stolz: Gestern hat er sogar schon einen Baum gefällt. Mit so einer kleinen Axt!

Herr Schneelen, interessiert: Was ist das denn für ein interessantes Muster, Guntram?

Bevor der Makler reagieren kann, tritt ihn das jüngste Kind vors Schienbein.

Frau Schneelen, seelenruhig: Oh. Atticus mag Sie nicht.

Herr Schneelen: Vielleicht sind Sie ihm zu erfolgsorientiert, Karrieristen kann er überhaupt nicht leiden.

Aus dem Hintergrund hört man ein wellenartiges Geräusch.

Das mittlere Kind, brüllend aus dem Off: Pluto und ich baden, wer macht mit?

Die beiden anderen Kinder rennen begeistert ins Bad, der Makler starrt entgeistert hinterher.

Frau Schneelen: Ich habe im Exposé kein Feng Shui-Zertifikat gefunden ...

Makler, abgelenkt durch den Lärm im Bad: Feng Shui?

Frau Schneelen: Ja, wegen des harmonischen Energieflusses – das liefern Sie sicher noch nach, oder?

Makler guckt entgeistert: Nein.

Makler brüllt ins Bad: Raus! [mühsam beherrscht] Wir. Melden. Uns.

Die Schneelens verlassen beleidigt die Bühne. Der Makler setzt sich ermattet an den Tisch. Sein Handy klingelt.

Makler: von Bergfeld? Ach, hallo – Herr Pfarrer. Ja, ja – ganz großartig, ich habe schon einige sehr interessante... wie? Selbstverständlich katholisch! Die Kretschbergs sind sehr ruhige Leute, die sicher nicht wegen jeder Kleinigkeit klagen. Bei den Bosfeldts dürfte mietmäßig sogar noch ein bisschen Spielraum... und die Schneelens? Was soll ich sagen: Verbeamtete Lehrer. Eine ganz sichere Bank. Sicher: Sobald die Courtage bei uns eingegangen ist, schicke ich Ihnen die Kontaktdaten. Bis bald, Herr Pfarrer...

Legt auf und lehnt sich entspannt zurück.

Makler: Ach, es ist ein harter Job – aber einer muss ihn ja machen.