Konsequent flexibel

Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands nimmt für sich in Anspruch, politisch konsequent zu sein, was man als Kleinpartei auch durchaus sein kann. Um so überraschender ist das sprachlich inkonsequente Plakat:

Politik für Arbeiter*innen statt Milliardäre. Konsequent.

Ich moniere das natürlich, denn auch Susanne Klatten und Friede Springer haben einen Anspruch auf politische Aufmerksamkeit. Lange nach der Bundestagswahl und damit meiner Wahlentscheidung meldet sich die Partei zurück (aufgrund einer Fülle von Anfragen erst so spät). Sie referiert zunächst kurz ihr Profil (revolutionäre Arbeiterpartei, Marxismus-Leninismus und die Mao-Zedong-Ideen, gegen revisionistische Verfälschung, Schule des Klassenkampfs etc), um daraus abzuleiten, dass sich ihr Slogan offensichtlich auch gegen Milliardärinnen (und mutmaßlich nonbinäre Reiche) richte. Darüber hinaus sei für die Verwendung des Ausdrucks Milliardär*innen auf dem Plakat kein Platz gewesen.

Die Berufung auf das generische Maskulinum und auf gestalterische Sachzwänge führt die MLPD an die Seite ihrer konservativen und rechtsextremen Konkurrenz, während die Ansprache der Arbeiter*innen ganz im Sinne ihrer (unzureichend) linken Mitbewerber*innen sein dürfte. Könnte es sein, dass ausgerechnet die MLPD sich auf diesem Weg als kompromissbereite zentristische Partei positionieren möchte?

Ihre E-Mail an mich schließt sie jedenfalls mit einer versuchten Bedürfnisweckung (Abonnement der Roten Fahne, Buchwerbung), mutmaßlich um ihre Anschlussfähigkeit an das kapitalistische Schweinesystem zu illustrieren. Völker, hört die Signale.