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Zellenbreitfunk

Bereits 24 Jahre nach der Vorstellung von Cell Broadcast soll diese neue Technologie in Deutschland eingesetzt werden. Mit diesem Vorlauf und angesichts der erfolgreichen Nutzung in anderen Ländern können sich auch notorische Skeptikerinnen nicht über eine fehlende Langzeitfolgenabschätzung beklagen.

Zertifikatssammlung

Wie Markus Winninghoff bereits im Techniktagebuch dokumentiert hat, müssen Arbeitgeber*innen seit gestern den 3G-Status ihrer Mitarbeiter*innen kontrollieren und dokumentieren. In unserem Betrieb soll dazu für Geimpfte auch das Datum der Zweitimpfung erfasst werden, obwohl derzeit eine zeitliche Begrenzung des Impfstatus noch nicht rechtlich geregelt ist (technisch haben die Impfzertifikate eine Gültigkeit von einem Jahr).

Das Problem: Die vorbildlich datensparsame CovPassCheck-App zeigt nach dem Scan eines QR-Codes nur einen Namen, ein Geburtsdatum und die Gültigkeit des Zertifikats zum Zeitpunkte des Scans an. Wir müssten also alle Beschäftigte zusätzlich nach dem Impfdatum fragen. Die Lösung ist eine missbräuchliche Verwendung der Importfunktion der CovPass- und der Corona-Warn-App: Linus Neumann hatte im Logbuch Netzpolitik von befreundeten Gastronom*innen berichtet, die die beiden genannten Apps (statt der CovPassCheck-App) zur Zugangskontrolle verwendet und dadurch ungewollt die Impfzertifikate aller Gäste importiert hatten. Diese Interface-Schwäche mache ich mir zu Nutze, denn für importierte Zertifikate wird auch das Datum der Impfung (und der verwendete Impfstoff) angezeigt.

(Dieser Beitrag erschien auch im Techniktagebuch.)

Update: Einige Wochen später skandalisieren Kölner Stadt-Anzeiger und WDR (Kölner Barbesitzer deckt Sicherheitslücke der Corona-Warn-App auf) die Portabilität von Impfzertifikaten, rudern einige Stunden später zurück (Kölner Barbesitzer weist auf mangelhafte Kontrollen der Impfnachweise hin) und erläutern stellvertretend für die Kommunen die Pflicht zur Identitätsprüfung.

Konsequent flexibel

Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands nimmt für sich in Anspruch, politisch konsequent zu sein, was man als Kleinpartei auch durchaus sein kann. Um so überraschender ist das sprachlich inkonsequente Plakat:

Politik für Arbeiter*innen statt Milliardäre. Konsequent.

Ich moniere das natürlich, denn auch Susanne Klatten und Friede Springer haben einen Anspruch auf politische Aufmerksamkeit. Lange nach der Bundestagswahl und damit meiner Wahlentscheidung meldet sich die Partei zurück (aufgrund einer Fülle von Anfragen erst so spät). Sie referiert zunächst kurz ihr Profil (revolutionäre Arbeiterpartei, Marxismus-Leninismus und die Mao-Zedong-Ideen, gegen revisionistische Verfälschung, Schule des Klassenkampfs etc), um daraus abzuleiten, dass sich ihr Slogan offensichtlich auch gegen Milliardärinnen (und mutmaßlich nonbinäre Reiche) richte. Darüber hinaus sei für die Verwendung des Ausdrucks Milliardär*innen auf dem Plakat kein Platz gewesen.

Die Berufung auf das generische Maskulinum und auf gestalterische Sachzwänge führt die MLPD an die Seite ihrer konservativen und rechtsextremen Konkurrenz, während die Ansprache der Arbeiter*innen ganz im Sinne ihrer (unzureichend) linken Mitbewerber*innen sein dürfte. Könnte es sein, dass ausgerechnet die MLPD sich auf diesem Weg als kompromissbereite zentristische Partei positionieren möchte?

Ihre E-Mail an mich schließt sie jedenfalls mit einer versuchten Bedürfnisweckung (Abonnement der Roten Fahne, Buchwerbung), mutmaßlich um ihre Anschlussfähigkeit an das kapitalistische Schweinesystem zu illustrieren. Völker, hört die Signale.