Gebäck

Die Herstellung von Brot ist ein idealer Affenfelsen: Sie bietet ein umfangreiches Fachvokabular (Teigling bei Dreiviertelgare einschießen und reichlich schwaden), fördert die Zahlenhuberei (5-8 Stunden, 25-26°C, Teigausbeute 200-250) und allgemein das gönnerhafte Mansplaining (Lass‘ dich nicht von den vielen Feinheiten und Parametern abschrecken, die ich an anderer Stelle mit erfahreneren Hobbybäckern diskutiere.).

Entsprechend werden die bekanntesten Brotblogs von Männern geschrieben, die gern großspurige Ansprachen vor großem Publikum halten:

Mir ist das Bäckerhandwerk, der Beruf Bäcker, ans Herz und auch an den Verstand gewachsen, es treibt mich um, bereitet mir manchmal sogar schlaflose, zumindest aber unruhige Nächte, Kopfschmerzen und auch Freudentränen.

Wie kann das sein, backe ich doch seit eben diesen sieben Jahren all mein Brot selbst? Was kümmert mich der Bäcker von nebenan, wenn ich doch Selbstversorger in Sachen Backwaren bin? [...]

Um auf diese Fragen Antworten zu finden, möchte ich Sie einige Minuten an meinem eigenen Weg vom Geologen zum Brotbackenden teilhaben lassen.

Auch von Karl May inspirierte Backberichte zeugen davon, dass richtige Männer nicht nur am Grill zu Hochform auflaufen:

Zu Beginn des Unterfangens wusste ich noch nicht, dass ich mich da auf ein Abenteuer einlasse.

Mit einem breiten Teigschaber und vorsichtigem Einsatz der gut bemehlten Haende gelang es mir, den Teig so umzuschlagen, dass er annaeherungsweise eine laengliche Gestalt fuer meine Brotform bekam. Beim dritten Versuch brachte ich ihn in die Form, ohne dass er mir zwischen den Haenden wegfloss.

Was jetzt passierte war beeindruckend. Die hohe Form des Teiges verlagerte sich unaufhaltsam in die Breite. Nicht flach wie eine Pizza, aber eben SEHR breit, ja richtig gewaltig, kolossal, monstroes. Der Teig ergoss sich langsam, wie Lava, ueber den groessten Teil des Bleches. Das Ganze war nicht etwa beaengstigend, sondern ich habe einfach fasziniert vor der Ofentuer gehockt und Mund und Nase aufgerissen.

Die Ofentemperatur von 270 Grad beendete dann auch die letzten Wandertriebe, der Teig stieg noch etwas in die Hoehe, und nach Herunterregeln der Temperatur und gerade mal 50 Minuten war das "TA-180-Brot" fertig. Wunderbar kastanienbraun, mit herrlich geschwungenen flachen Ausbuenden, leicht weiss angehaucht von der Staerke - eine flache Schoenheit !

Nach dem ersten Bissen war mir klar, dass mein "TA-180-Brot" ein Volltreffer war. Hinter der knusprigen Kruste steckte eine Krume, die so schmeckte und sich so im Mund anfuehlte, wie das bei einem sehr guten Roggenbrot sein muss: weich, elastisch, sehr saftig ohne jedes Kleben, Saeure und Salz richtig dosiert: perfekt.

Ich hoffe, mit der Beschreibung meines Backerlebnisses nicht allzu sehr gelangweilt zu haben. Aber solche Erlebnisse hat man (ich) nicht oft.

Fazit: TA 180 geht auch frei geschoben! Ein Abenteuer, das lohnt.

Backblogs von Frauen sind deutlich prosaischer und mindestens so hilfreich.