Getreidesorten

Dinkel

Wer Dinkel sagt, sagt meist auch Hildegard von Bingen, die wiederum sagt:

Dinkel ist das beste Getreide, er ist warm, fett und kräftig und er ist milder und hochwertiger als andere Getreidekörner. Dinkel gibt ein fröhliches Gemüt und die Gabe des Frohsinns.

Je nun. Das klingt sehr poetisch, und Dinkel schmeckt auch wirklich kräftiger als der allgegenwärtige Weizen. Inhaltlich ist er nicht weit von seinem nächsten Verwandten entfernt: Er ist zwar robuster und (für einige Menschen) verträglicher, aber nicht wesentlich gesünder oder nahrhafter (abgesehen vom hohen Niacin-Gehalt).

Hafer

Ganz anders der Hafer, immerhin die Arzneipflanze des Jahres 2017 (jedenfalls nach Ansicht des Studienkreises Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg). Diesem Votum können sich die Haferspezialisten der Peter Kölln KGaA nur anschließen:

Hafer ist unser wertvollstes Getreide, denn er enthält eine Vielzahl wichtiger Nähr- und Aufbaustoffe.

Deutlich prosaischer als die Heilige Hildegard, aber ähnlich apodiktisch. Und vor allem belegbar: Hafer liefert von allen gängigen Getreidesorten am meisten Energie, Eiweiß und ungesättigte Fettsäuren, besonders viel Calcium, Vitamin B1 und B6, außerdem enthält er relativ wenig Kohlenhydrate.

Immerhin hat sich nach dem Ende der bipolaren Weltordnung des 20. Jahrhunderts auch Peter Kölln auf die neue Unübersichtlichkeit eingestellt und bietet mit „Schmelzflocken Dinkel-Hafer“ eine Alternative zu den bewährten Hafer-Schmelzflocken. So gut kann Dialektik schmecken.

Neben allen ernährungsphysiologischen Vorzügen schmeckt Hafer auch noch ganz großartig. Wobei selbst dieses feine Korn gegen Missbrauch nicht gefeit ist: Als (Oat) Porridge bildet Hafer einen festen Bestandteil der englischen (bzw. schottischen) Küche, und in Wasser gekochte Haferflocken mit Salz erfüllen Kontintentaleuropäerinnen mit einer gewissen Dankbarkeit für die splendid isolation der Britischen Inseln respektive die Brexit-Entscheidung. Fairerweise muss man allerdings hinzufügen, dass mit Milch/Getreidemilch gekochtes Porridge sehr gut schmeckt.

Weizen

Weizen ist zwar das beliebteste Brotgetreide, schmeckt aber als Cerealbasis weniger spannend als sein enger Verwandter Dinkel. Weizengrieß wird häufig als Basis des ebenfalls sehr verbreiteten Grießbreies (a.k.a. Semolina Porridge = Grieß-Porridge) verwendet. In letzter Zeit wurde das arme Getreide trotz der allgemeinen Wertschätzung seiner Vorfahren Dinkel und Emmer für bedenkliche Entwicklungen haftbar gemacht.

Mais

Im Flakes-Markt hat Mais seit der epochalen Erfindung von Mr. Kellogg eine dominante Stellung, und in dieser Form hat er auch Einzug in viele Müslis gehalten.

Mais hat außerdem mit Soja gemeinsam, dass nur ein Bruchteil der Produktion von Menschen verzehrt wird, während der überwiegende Teil mit hohen Verlusten in tierische Lebensmittel umgewandelt oder verbrannt wird. Was allerdings nicht gegen den Verzehr von Cornflakes (oder Sojamilch) spricht.

Reis

Reis eignet sich als ausgesprochen mildes und relativ kohlenhydratreiches Getreide besonders für Babynahrung an. In Müslis spielt Reis kaum eine Rolle, aber in Kombination mit Weizen wird er häufig in Form von Flakes (Special K et al.) angeboten.

Die Kehrseite der guten Verträglichkeit ist die weitgehende Abwesenheit von Eigengeschmack: Man muss schon richtig Hunger haben (oder eine Schwäche für jede Art von Getreidebrei), um angesichts einer großen Schüssel ungesüßten Reisbreis ohne Zimt oder Vanille leuchtende Augen zu bekommen.

Hirse

Hirse ist das älteste von Menschen genutzte Getreide. Weil es kein Gluten enthält, wird es ebenfalls zur Herstellung von Babybreichen verwendet.

Das ist auch ganz richtig so, denn Hirsebrei schmeckt nur wenig aufregender als Reisbrei. Bzw. in ungekochtem Zustand (als Hirseflocken) wie eine Mischung aus Mehl und Sand. Merke: Hirse funktioniert nur als Porridge, außerdem werden Hirseflocken sehr schnell ranzig.

Gerste, Roggen und Buchweizen

Gerste, Roggen und Buchweizen werden relativ selten als Hauptbestandteil von Müslis, Flakes oder Breien verwendet (auch die Buchweizen-Flakes von Allos bestehen größtenteils aus Mais). Allerdings sind sie in allen möglichen Mehrkornmischungen (Flocken/Breie), aber auch in vielen Müslis als Nebendarsteller vertreten.

Einkorn, Emmer, Kamut

Für Liebhaber exotischer, teurer und uralter Getreidesorten bieten sich neben den europäischen Traditionsvarianten Einkorn und Emmer das ägytische Kamut an. Einkorn ist ein Weizenvorläufer (und schmeckt auch genau so), vom Emmer (a.k.a. Zweikorn) wiederum stammt der Hartweizen ab – auch das können die ungemein harten Emmerflocken nicht verhehlen. Kamut schließlich ist eine Hartweizensorte mit besonders großen Körnern.