Hydration

Natürlich kann man Cereals pur verzehren, und in einigen Fällen (Cornflakes) ist diese Art von Trockenfutter als Alternative zu Kartoffelchips sozial sogar einigermaßen akzeptiert. Größere Mengen Getreideflocken ohne Flüssigkeit sind allerdings physisch eine gewisse Herausforderung, deshalb stellt sich in der Regel die Frage nach der Hydration.

Die simpelste und preiswerteste Antwort (Wasser) wird von Vollwerköstlerinnen für Frischkornbrei und von Schottinnen für Porridge verwendet. Weniger hartgesottene Menschen greifen in der Regel zu Milch. Obwohl die Ernährungsapokalypse erst in einigen Jahren zu erwarten ist, sollten sich angesichts der klimaethisch bedenklichen Rindersekrete und ihrer schrittweisen Verteuerung nicht nur Veganerinnen vorsorglich Gedanken über eine künftige Müslibefeuchtung ohne Tierprodukte machen.

Als Privatmensch muss ich mich glücklicherweise nicht um die EWG-Verordnung Nr. 1898/87 scheren und kann im Folgenden von Soja- bzw. Getreidemilch sprechen. Anders als ihr genormtes Vorbild sind die Milchalternativen sehr unterschiedlich, selbst wenn die Rezepturen sich auf den ersten Blick ähneln. Vor diesem Hintergrund relativieren sich mein Test der pflanzlichen Alnatura-Drinks und das harsche Urteil, mit dem ich noch vor wenigen Jahren milchfreie Cereals zurückgewiesen habe.

Veganes Müsli muss man sich natürlich leisten können. Gute Milchalternativen kosten nämlich nicht nur wegen des überschaubaren Marktes mehr als doppelt so viel wie Bio-Kuhmilch, sondern auch wegen des deutschen Mehrwertsteuer-Systems: Milch wird als Grundnahrungsmittel mit 7% besteuert, auf Getreidedrinks wird 19% Mehrwertsteuer erhoben. Ich erspare mir und meinen geneigten Leserinnen einen ausführlichen Rant über die Absurditäten und Ungerechtigkeiten des deutschen Steuersystems.

Sojamilch

Der Klassiker der veganen Milchalternativen hat eine Reihe von Vorteilen, denn die Sojabohne liefert ohne weitere Zusätze ausreichend Eiweiß und Fett. Mein Favorit – Soja Drink Pur vom Hofgut Storzeln – besteht ausschließlich aus Wasser und Sojabohnen, enthält je 100ml 4,1g Eiweiß, 2,4g Fett (davon 0,3g gesättigte Fettsäuren), 0,8g Zucker und 179 kJ Energie. Die mit Meeresalgen angereicherte Variante – Soja Drink Natur – unterscheidet sich nur durch den höheren Calciumgehalt (120 mg) und schmeckt identisch. Außerdem stammen die Sojabohnen aus regionalem Anbau (Bodensee), während andere Hersteller ihre Sojabohnen von Tierfuttertransporten aus Südamerika abzweigen. Andererseits gibt das Hofgut selbst an, der Sojaanbau in Deutschland sei nicht ganz einfach, und wahrscheinlich ist die Energiebilanz der deutschen Sojabohnen entsprechend suboptimal. Es ist kompliziert.

Geschmacklich liegen zwischen preiswerten Sojamilchen (z.B. EUR 0,95/Liter von Alnatura) und den Produkten des Hofguts Storzeln (EUR 1,99/Liter) Welten. Ausschlaggebend für den geschmacklichen Vorsprung ist dabei nicht der relativ hohe Fettgehalt der Storzelner Sojamilch, denn die ähnlich fettige Aldi-Sojamilch schmeckt unangenehm ölig. Ob es an den Bodensee-Sojabohnen oder an einem besonders ausgefeilten Herstellungsverfahren liegt – ich weiß es nicht.

Allgemein ist Sojamilch die perfekte Basis für cremige Milchshakes wie den Himmelunder, die mit Getreidemilchen meist zu wässrig ausfallen. In weniger geschmacksintensiven Umgebungen kann der Eigengeschmack der Sojabohnen störend wirken, weshalb mehrere Hersteller Sojamilch durch den Zusatz von Zucker und Vanilleextrakt ansprechender gestalten. Solche Taschenspielertricks lehne ich natürlich entschieden ab, und damit kommt Sojamilch für mein Müsli nicht in Frage. Das hat unter anderem auch den Vorteil, dass ich mich weder für die Heilsversprechen noch für die Gefahren der Isoflavone interessieren muss.

Reismilch

Wer weder Laktose noch Gluten, wenig Eiweiß und wenig Fett zu sich nehmen möchte, ist mit dem Nestor der Getreidemilchen sehr gut bedient. Es handelt sich – wie bei allen Getreidemilchen – um verkochte Maische, die fermentiert und gefiltert, mit Pflanzenöl (in der Regel Sonnenblumenöl) vermischt und emulgiert wird. Durch die Fermentation wird die Getreidestärke in Zucker umgewandelt, was im Extremfall (Alnatura Reis-Drink Natur mit 12% Reisanteil) zu einem Zuckergehalt von 7,3 g/100 ml und 195 kJ führt – trotz des geringen Fettgehalts von 1,0 g/100 ml. Der Natumi Reis natural ist mit 6,5g Zucker etwas weniger süß, aber dank des höheren Reisanteils (14%) noch energiereicher (202 kJ). Der Lima Ricedrink Natural kommt mit 9% Reisanteil zwar ebenfalls auf 196 kJ, ist aber für eine Reismilch erstaunlich unsüß (4g Zucker/100ml). Lima und Natumi legen Wert darauf, dass ihre Produkte aus dem ganzen Korn bzw. auf der Basis von gemälztem Reis hergestellt werden (und nicht etwa aus Reisdextrinen), entsprechend sind sie mit EUR 1,99/Liter (Natumi) bzw. EUR 2,19/Liter (Lima) deutlich teurer als das Alnatura-Angebot (EUR 1,45/Liter).

Geschmacklich ist Reismilch zwar sehr mild, aber die charakteristische Süße ist selbst in der Lima-Variante noch recht intensiv. Alnatura bietet mit dem Soja-Reis-Drink (5,3% Sojabohnen, 5% Reis) eine theoretisch täuschend echte, eiweißreduzierte Milchimitation (Eiweiß: 2,0g, Zucker: 4,5g, Fett: 1,4g, Energie: 196kJ). Tatsächlich verbindet dieses Produkt den irritierenden Eigengeschmack von Sojabohnen mit der ebenfalls gewöhnungsbedürftigen Süße einer Reismilch. Sehr geeignet ist reine Reismilch vor allem für das notorisch geschmacksarme Porridge, in dem die Haferflocken auch die relative Nährstoffarmut der Reismilch ausgleichen, oder für Bananenmilchshake, den ohnehin viele Menschen aus unerfindlichen Gründen mit Zucker süßen.

Hafermilch

Die Verwendung des beliebtesten Müsligetreides als Milchbasis ist recht naheliegend. Die beste Hafermilch stammt vom schwedischen Unternehmen Oatly, die ein patentiertes Herstellungsverfahren und einen Pionierstatus für sich geltend macht. Oatly stellt (fast) ausschließlich Hafermilch in verschiedenen Varianten her. Die Originalversion besteht nur aus Hafer, Wasser und Meersalz, und ist daher ausgesprochen eiweiß- (1g/100ml), fett- (0,5g/100ml) und energiearm (150kJ/100ml). Der Calciumversion wird neben calciumreichen Meeresalgen auch Rapsöl und Zitronensäure zugesetzt. Die Zitronensäure hält nach Auskunft des Herstellers den durch die Algen erhöhten pH-Wert in Schach und verhindert Verfärbungen, das Rapsöl sorgt für einen milchartigen Fettanteil (1,5g/100ml) und deutlich mehr Energie (190kJ/100ml). Puristinnen werden eher zum Original greifen, Pragmatikerinnen zu Oatly Calcium. Beide Versionen teilen einen angenehm milchähnlichen Zuckergehalt (4,0g/100ml), und der einzig erkennbare Nachteil ist der Preis (min. EUR 2,19/Liter).

Der britische Rude Health Oat Drink besteht aus natural spring water, organic pure oats, organic cold-pressed sunflower oil, sea salt) und schmeckt ähnlich wie Oatly, wenn auch etwas wässriger. Seine Nährwerte ähneln Oatly Calcium (181kJ, 1,6g Fett, 4,1g Zucker, 0,8g Protein), trotzdem ist der als glutenfrei beworbene Drink aus unerfindlichen Gründen weniger bekömmlich (und mit £ 2/Liter ausgesprochen teuer).

Etwas günstiger (EUR 1,99/Liter), aber auch etwas süßer (Zucker: 4,5g/100ml), eiweißärmer (0,7g/100ml) und energiereicher (210kJ/100ml) ist der Haferdrink Natur des Hofguts Storzeln. Der vermeintlich geringe Unterschied ist deutlich schmeckbar (speziell für fruchtreiche Müslis bevorzuge ich Oatly), dafür hat die Storzelner Hafermilch einen idealen Fettgehalt (1,1g/100ml). Außerdem kann das Hofgut wie bei der Sojamilch auf den regionalen Anbau verweisen, und der Bodensee ist aus meiner Perspektive tatsächlich näher als die schwedischen Felder, auf denen der Oatly-Hafer wächst. Sollte ich demnächst nach Hamburg umziehen, würde sich dieses Argument allerdings umkehren.

Noch deutlich süßer ist Natumi Hafer natural mit einem Zuckergehalt von 5,6g/100ml (Eiweiß: 0,4g/100ml, Fett: 1,3g/100ml, Brennwert: 202kJ/100ml). Ähnlich wie Reismilch schmeckt eine so süße Hafermilch praktisch nur mit Porridge (wobei Hafermilch mit Haferporridge offensichtlich besser harmoniert als Reismilch).

Die Angaben der verschiedenen Hersteller zum Haferanteil offenbaren mal wieder den langen Arm von 97/4/EC: Oatly weicht bewusst von den EU-Vorgaben ab und gibt den Anteil im Endprodukt (10%) an, tatsächlich werden 13,5% Hafer als Zutat eingesetzt. Natumi mit seinem weniger effizienten Dekantierverfahren verwendet 15% Hafer, hält sich dafür aber auch an die QUID-Verordnung. Offenbar trauen sich nur exzentrische Briten und Schweden, die Europäische Kommission zu ignorieren und die Zusammensetzung ihrer Produkte aus Verbrauchersicht zu erläutern.

Sobald man sich an den Eigengeschmack der Hafermilch gewöhnt hat, ist Hafermilch ein sehr guter Milchersatz in fast allen Umgebungen (Flakes, Müsli und Porridge). Nur für Milchshakes eignen sich Getreidemilchen generell weniger gut als Sojamilch.

Dinkelmilch

Neben Hafer- gibt es natürlich auch Dinkelmilch, die aber wie das Getreide selbst etwas im Schatten des bekannteren Produkts steht (und im Fall von Natumi Dinkel natural mit 6,7g Zucker/100ml noch süßer als die Hafer- bzw. Reismilch desselben Herstellers und ähnlich eiweißarm wie Reismilch ist). Der Geschmacksunterschied ist bei den Natumi-Produkten eher gering, der Dinkel-Drink Natur von Alnatura (Zucker: 6,2g/100ml) ist dagegen im direkten Vergleich kaum genießbar (obwohl er mit EUR 1,65/Liter teurer ist als die übrigen Alnatura-Getreidemilchen).

Nussmilch

Nussmilch (speziell Mandelmilch) ist im Mittelmeerraum verbreitet, sie ist allerdings deutlich teurer als Getreidemilch.