Bibliographien mit LaTeX

Die folgende Anleitung stellt nur einen ersten Überblick dar. Eine deutlich detailliertere Darstellung des Themas bietet das Buch Bibliografien mit LaTeX von Herbert Voss.

Es gibt zwei Möglichkeiten, mit LaTeX Bibliographien zu erstellen. Die auf den ersten Blick einfachere besteht darin, folgende Umgebung einzufügen:

\begin{thebibliography} \bibitem ... \bibitem ... \end{thebibliography}

Jedes Element innerhalb dieser Umgebung wird mit einem bestimmten Schlüssel versehen, mit dessen Hilfe man im Text auf die jeweilige bibliographische Angabe verweisen kann:

\bibitem[testkey123] Blurchel, Friedrich ...

Diese Methode eignet sich für kürzere Dokumente mit wenigen Literaturangaben. Mit Hilfe der in der Bibliographie verwendeten Schlüssel kann man im Text auf die aufgeführte Literatur verweisen (\cite{testkey123}).

BibTeX

Wenn man häufig längere Texte erstellt und regelmäßig dieselben Werke zitiert, sollte man besser mit BibTeX arbeiten. Dieses System erweitert LaTeX um eine persönliche Literaturdatenbank: Alle bibliographischen Angaben werden in einem einheitlichen Format in einer separaten Datei (z.B. mybib.bib) abgelegt und können in jedem neuen LaTeX-Dokument mit Hilfe des Schlüssels aufgerufen werden. Ein typischer Eintrag sieht folgendermaßen aus:

@article{ackema:1998, Journal = {Natural Language and Linguistic Theory}, Year = {1998}, Title = {Optimal questions}, Pages = {443-490}, Author = {Ackema, Peter and Neeleman, Ad}, Volume = {16} }

Die erste Zeile enthält den Typ des Textes, in diesem Fall einen Artikel in einer Zeitschrift (nicht zu verwechseln mit einem Sammelbandartikel, s.u.), gefolgt von einer geschweiften Klammer und dem Verweisschlüssel (Achtung, Verweisschlüssel müssen innerhalb einer bib-Datei eindeutig sein). Es folgen (in beliebiger Reihenfolge verschiedene Angaben wie

Die Angaben zu den einzelnen Kategorien werden in geschweifte Klammern gesetzt, dahinter folgt ein Komma. Der Eintrag wird mit einer geschweiften Klammer geschlossen. Normalerweise verändert BibTeX die Groß- und Kleinschreibung von Angaben, um angelsächsischen Normen zu genügen. Um das zu verhindern, setzt man ein weiteres Paar geschweifte Klammern um die Angabe:

Title = {Der alte Mann und das Meer} = „Der alte mann und das meer“ Title = {{Der alte Mann und das Meer}} = „Der alte Mann und das Meer“

Neben Zeitschriftenartikeln unterstützt BibTex eine Reihe von Texttypen, darunter:

Sammelbandbeiträge

@incollection{bredellohnstein:2003e, Year = {2003}, Title = {{Zur Verankerung von Sprecher und Hörer im verbalen Paradigma des Deutschen}}, Editor = {Hoffmann, Ludger}, Address = {Berlin}, Pages = {122-154}, Booktitle = {Funktionale Syntax - Die pragmatische Perspektive}, Publisher = {de Gruyter}, Author = {Bredel, Ursula and Lohnstein, Horst}}

Monographien

@book{brody:1995, Year = {1995}, Title = {Lexico-Logical Form: A radically minimalist theory}, Address = {Cambridge, Mass.}, Publisher = {MIT Press}, Author = {Brody, Michael}}

Manuskripte

@unpublished{herder:2003, Year = {2003}, Title = {{Endgültige Betrachtungen zum Hänsel-Phänomen}}, Note = {Manuskript, Universität Leiden}, Author = {Herder, Ernst}}

Sehr komfortabel gestaltet sich die Bearbeitung von .bib-Dateien mit dem Editor BibDesk (nur für Mac OS X verfügbar).

Hat man eine .bib-Datei mit den Literaturangaben erstellt, kann man mit dem \cite-Befehl auf einzelne Quellen verweisen (Wie schon \cite{herder:2003} anmerkt ...). An die Stelle der \thebibliography-Umgebung tritt nun der Befehl \bibliography{mybib} (Angabe ohne Dateisuffix), wobei die Datei mybib.bib in einem für (Bib)TeX zugänglichen Verzeichnis liegen sollte (im einfachsten Fall im selben Verzeichnis wie das Dokument selbst). Setzt man nun das Dokument, werden die Angaben über zitierte Werke und die .bib-Datei in die .aux-Datei geschrieben.

Im nächsten Schritt kommt BibTeX zum Zug. Mit dem Befehl bibtex dokument.aux werden die Literaturangaben aus der .bib-Datei extrahiert und in dokument.aux eingefügt. Um sie in das Ausgabedokument (dokument.dvi bzw. dokument.pdf) zu übernehmen, muss das Dokument erneut zweimal (!) mit latex dokument.tex gesetzt werden. Erst dann werden das Literaturverzeichnis und alle Verweise im Text korrekt dargestellt.

Hinweis: Um nicht nur die explizit zitierten, sondern alle Einträge aus einer referenzierten BibTeX-Datei in das Literaturverzeichnis aufzunehmen, muss an einer beliebigen Stelle des LaTeX-Dokuments (aber vor \bibliography{mybib}) der Befehl \nocite{*} eingefügt werden.

Wie ein Literaturverzeichnis und die Verweise im Text formatiert werden, bestimmt eine .bst-Datei, die mit dem Befehl \bibliographystyle{bstfile} (wieder ohne Suffix) ausgewählt werden kann. Häufig verwendete Formate sind:

plain
Das Literaturverzeichnis wird nach den Autorennamen alphabetisch sortiert. Als Kennzeichen werden fortlaufende Nummern verwendet.
unsrt
Unterscheidet sich in der Sortierung des Literaturverzeichnisses von plain : Die Einträge werden nach dem vorkommen im Text sortiert.
alpha
Unterscheidet sich durch die Kennzeichen von plain : Statt fortlaufenden Nummern wird eine Kombination aus Abkürzung des Autorennamen und Jahreszahl verwendet

Zusammenfassung

Ein Dokument muss für die Verwendung von BibTeX folgende Angaben enthalten:
Verweise
\cite{herder:2003}
ein Bibliographieformat
\bibliographystyle {plain}
eine Bibliographie
\bibliography {mybib}
Folgende Schritte sind für die Verarbeitung der BibTeX-bezogenen Angaben notwendig:

latex dokument.tex bibtex dokument # Eingabe ohne Suffix! Verarbeitet wird hier das im ersten Schritt erstellte .aux-Dokument. latex dokument.tex latex dokument.tex

In TeXShop gibt es den Befehl BibTeX, mit dem automatisch die aux-Datei des jeweils geöffneten Dokuments bearbeitet wird.

Natürlich ist das Prozedere nur notwendig, wenn man das vollständige Dokument erhalten will, also typischerweise nach Abschluss der inhaltlichen Arbeit.

Das Paket natbib

Speziell für die in den Naturwissenschaften übliche Zitierweise nach Autor (Jahr) entwickelt, erweitert das Paket natbib BibTeX um einige nützliche Befehle. Zudem liefert es drei passende bibilography styles (plainnat.bst, abbrvnat.bst und unsrtnat.bst). Der Autor empfiehlt allerdings für eine genauere Anpassung sein makebst-Programm (s.u.).

Die beiden wichtigsten Zitierweisen werden durch die Befehle \citet (textual citation) und \citep (parenthetical citation) implementiert:

\citep[45]{jones1999} Jones et al. (1990:45)
\citet[45]{jones1999} (Jones et al. 1990:45)

Eine ausführliche Beschreibung aller Befehle enthält das Handbuch zu natbib.

Individuelle Formate mit makebst

Die teTeX- und damit auch die gwTeX-Distribution enthalten eine ganze Reihe von Bibliographieformaten, und viele Verlage bieten an die verlagseigenen Vorgaben angepasste .bst-Dateien an. Sollte man aber ein sehr spezielles Format benötigen, muss ein selbstgemachter Stil her. das Format der bst-Dateien ist recht krytpisch, deshalb empfiehlt sich für die Generierung eigener Styles das Paket makebst.

Mit Hilfe dieses Pakets lassen sich aus einem sog. master bibliography style (merlin.mbs) nahezu beliebig veränderbare Styles über ein simples Auswahlverfahren erstellen. makebst ist allerdings selbst nur ein Hilfsprogramm zur Erstellung eines batch job für das Tool docstrip. Genaueres über die interessanten Zusammenhänge und die Funktionsweise des Programms finden sich im Handbuch zu makebst.

Das Programm wird mit dem Befehl latex makebst gestartet. Es folgt eine lange Reihe von Fragen zum gewünschten Bibliographieformat. Zum Schluss wird der batch job erstellt und ausgeführt. Das Ergebnis ist eine bst-Datei.