8.2. Die wichtigsten Ereignisse der 1660er und 1670er Jahre

Eine Folge der Restauration war en neuer Königshof, der durch Karls „europäische“ Haltung geprägt war: der neue König war von der göttlichen Atmosphäre des puritanischen Regimes nicht berührt worden und führte ein ziemlich lockeres Leben. Er hatte viele Geliebte, unter denen die wichtigste Barbara Villiers (aus der Familie des Duke of Buckingham) war, die er zur Duchess of Castlemaine adeln ließ. Sie hatte vier Kinder mit Karl, nachdem ihr Mann Robert Palmer als Diplomat nach Italien geschickt worden war. Als einzige seiner Mätressen nahm sie auch politisch Einfluß und wirkte z.B. auf die Entlassung des Earl of Clarendon hin. Verheiratet war Karl seit 1662 mit der Portugiesin Katharina von Boreganza. Sie brachte eine großzügige Mitgift (Tanger und Bombay) in die Ehe, die aber nicht recht funktionierte: die Prinzessin verweigerte der Lady Castlemaine den Titel Lady of the Bed Chamber und war (was politisch schwerer wog) unfruchtbar. Der älteste Sohn Karls, der noch im Exil geborene James (seine Mutter war eine Lucy Walter), wurde zum Duke of Monmouth ernannt und genoß in Abwesenheit eines legitimen Thronfolgers die Position des ältesten (und damit im Prinzip erbberechtigten) Sohnes. Insgesamt herrschten nun völlig andere Vorstellungen als zur Zeit Cromwells: Vergnügungen standen wieder hoch im Kurs. In London wurden zwei Theater nur für die Oberschichten gebaut (vorher hatte es nur Etablissements außerhalb der Stadt gegeben), in denen auch Frauen auftraten. Die Arbeit als Schauspielerin wurde allgemein als Weg zur Mätresse betrachtet. Diese Zustände waren im Volk relativ akzeptiert, solange es sich um protestantische Mätressen handelte.

Außenpolitisch stachen die englisch-holländischen Kriege (1665 - 67 und 16672 - 74) hervor. Der erste Krieg endete damit, daß ein holländisches Kriegsschiff ungehindert in den Londoner Hafen fuhr, die Befestigung und zahlreiche Schiffe zerstörte und die Royal Charles, das Flaggschiff der königlichen Marine nach Holland schleppte. Mit dieser Aktion endete auch die Karriere des Earl of Clarendon. Im Verhältnis zu Frankreich war Karl die absolute Machtstellung des französischen Königs nicht klar. Bei den geheimen Verhandlungen, die er mit der katholischen Macht führte, konnte sich Karl auf die Hilfe seiner Schwester Maria, die sich als Prinzessin von Orléans am Hofe Ludwig XIV. aufhielt, verlassen. Der Treaty of Dover vom 1. Juni 1670 (den Karl aus Sicherheitsgründen nur von einem Minister unterzeichnen ließ) sah ungeheure Leistungen vor: Karl erklärte sich von der katholischen Religion überzeugt und versprach, für 2 Millionen Livres zu konvertieren (1 Million zahlbar sofort), beide Könige vereinbarten einen Krieg gegen die Niederlande, aus dem Karl nicht austreten konnte, er erhielt 3 Millionen Livres pro Jahr während des Krieges. Die Landgewinne wurden schon bereits in diesem Vertrag aufgeteilt. Dieser Vertrag, in dem die Außenpolitik Englands verkauft und die religiöse Überzeugung der Mehrheit der Engländer verraten wurde, blieb geheim. Karls Absichten sind umstritten (er ist definitiv nie konvertiert), wahrscheinlich wollte er sich die völlige finanzielle Unabhängigkeit vom Parlament erkaufen.

Außer in religiösen Fragen waren sich Karl und das Unterhaus meist einig. Die Proclamation of Indulgence (1662), in der Karl Gewissensfreiheit forderte, wurde vom Parlament aufgehoben, auch ein neuer Anlauf im Januar 1672, der sogar die Katholikengesetze aufheben und descenter-Gottesdienste erlauben sollte, scheiterte. Karl berief sich bei den Initiativen auf seine Position als Oberhaupt der Kirche, während das Parlament Mitsprache forderte und sich auch 1673 durchsetzen konnte: Karl brauchte Geld für den Krieg gegen die Niederlande, nach Aufhebung der Indulgenz-Gesetze bewilligte das Parlament 1,2 Millionen £ für den zunächst populären Krieg. Um ihre religiöse Mitsprache zu demonstrieren, verabschiedeten die Abgeordneten 1673 den Test Act, der von jedem königlichen Beamten ein Bekenntnis zur anglikanischen Kirche forderte. Daraufhin trat Jakob, der Bruder des Königs, als Lord Admiral zurück. Er war schon 1669 heimlich konvertiert, nach seinem Rücktritt heiratete er auch noch die katholische Prinzessin Maria von Bodena. Aus dieser Ehe wären katholische Kinder hervorgegangen, da Karl keine legitimen Erben hatte, drohte ein katholisches Königshaus. Die Bevölkerung fürchtete sogar, daß der König selbst konvertieren würde. Um die Stimmung nicht weiter anzuheizen, verzichtete Karl nach dem Test Act auf weiteren religiösen Einsatz und verließ sich auf seinen Schatzkanzler, den Earl of Danby, der das Parlament als erster professioneller Politiker leitete. Bis 1678 gab es keinerlei Spannungen, erst mit dem befürchteten Popish Plot begannen die Probleme wieder.