Präsentationen mit LaTeX

LaTeX wurde zu einer Zeit entwickelt, als Präsentationen meist mit Overhead-Folien gehalten wurden. Dazu dienten Dokumentklassen wie seminar und Pakete wie slides. In den letzten Jahren wurden umfangreichere Tools für die Erstellung moderner Beamer-Präsentationen entwickelt. Meine Lieblingsklasse ist beamer. Sie ist verhältnismäßig einfach zu bedienen, kommt mit einigen Layout-Vorlagen und ermöglicht eindrucksvolle Präsentationen auf der Basis des PDF-Formats.

Anders als bei anderen Klassen werden keine externen Hilfsmittel benötigt. Allerdings müssen die Pakete pgf (für das Portable Graphics Format) und xcolor (für die erweiterte Farbverwaltung) gemeinsam mit beamer installiert werden. Alle drei Pakete sind auf CTAN erhältlich. Nach dem Auspacken installiert man sie im bereits erwähnten Verzeichnis ~/texmf (Hinweis: Das Entpacken über StuffitExpander funktioniert nicht, deshalb sollte man die gepackten Dateien im Terminal mit unzip entpacken. xcolor.sty muss vor der Installation mit mit latex xcolor.ins erzeugt werden).

Das Beamer-Interface ist sehr simpel: Jede „Folie“ wird in einen \frame-Tag eingebettet. Innerhalb einzelner Folien kann man mit den Befehlen \only und \visible in Kombination mit einer numerischen Angabe eine Animationsreihenfolge erzeugen. Diese Reihenfolge wird durch mehrere Ausgabe-Seiten pro Folie realisiert, so dass die Präsentationen in jedem PDF-Viewer komfortabel abgespielt werden können. Beispiel:

\frame{% \visible<1>Beamer. \visible<2->Die Dokumentenklasse für Beamer-Präsentationen mit \LaTeX. \only<3>Eine Einführung.}

Der Unterschied zwischen \only und \visible besteht darin, dass \only den Text tatsächlich nur auf der Seite erzeugt, für die er vorgesehen ist. \visible dagegen erzeugt den Text immer und versieht ihn auf den nicht-spezifizierten Seiten mit der Hintergrundfarbe. Die Konsequenz ist, dass \only-Elemente auf den übrigen Seiten keinen Platz einnehmen, während \visible-Elemente immer ihren Platz beanspruchen (und damit die übrigen Elemente verdrängen). In der Regel sorgt \visible für einen ruhigeren Folien-Aufbau, in dem sich nichts verschiebt.

Eine Angabe wie <2-> bewirkt, dass das entsprechende Element auf der zweiten Seite und allen folgenden Seiten der jeweiligen Folie sichtbar ist. <3-5> bedeutet, dass das Element nur auf den Seiten 3, 4 und 5 zu sehen ist.

\item-Elemente unterstützen numerische Angaben ohne zusätzliches Kommando. Beispiel:

\frame{% \frametitle{Artikel (D)} \begin{itemize} \item<1-> \textit{der, die, etwas, viel, kein, sein} \item<2-> Die Abgrenzung von Artikeln und Pronomina erfolgt je nach Verwendung: \begin{itemize} \item<3-> \textit{Wessen Koffer ist das?} \item<4-> \textit{Das ist \alert{mein} Koffer.} (Artikel) \item<5-> \textit{Das ist \alert{meiner}.} (Pronomen) \end{itemize} \item<6-> Pronomen stehen an der Stelle nominaler Wortfolgen, Artikel treten immer zusammen mit einem Nomen auf. \end{itemize} }

Indem man das Kommando \alert mit einer numerischen Angabe kombiniert, lassen sich Elemente an bestimmten Stellen der Präsentation hervorheben:

\frame{% \frametitle{Subjekte (Subj)} Subjekte können durch nominale/pronominale Elemente (im Nominativ) oder durch Sätze realisiert werden. Nominale Subjekte weisen Kongruenz mit dem finiten Verb auf: \begin{itemize} \item<2-> \textit{\alert<3>{Der Dieb} \alert<4>{übergibt} dem Hehler die Beute.} \item<5-> \textit{\alert<6>{Die Diebe} \alert<7>{übergeben} dem Hehler die Beute.} \item<8-> \textit{\alert<9>{Dass er sich für unbesiegbar hielt}, \alert<10>{wurde} ihm zum Verhängnis.} \end{itemize} }

Mit Hilfe des \action-Befehls lassen sich mehrere Kommandos und Seitenangaben verbinden. Auf diese Weise lassen sich z.B. Elemente alternieren und zugleich hervorheben:

\frame{% \frametitle{Ersetzungsprobe} \begin{itemize} \item<1-> Teilketten, die wir füreinander einsetzen können, sind Konstituenten. \begin{itemize} \item<2-> \textit{\action<only@2| alert@2>{Die Katze}\action<only@3| alert@3>{Peter}\action<only@4-| alert@4>{Der alte Mann} liegt gern auf dem Sofa.} \end{itemize} \item<5-> Die Ersetzungsprobe führt allerdings auch zu kontraintuitiven Ergebnissen: \begin{itemize} \item<6-> \textit{Der schwarze {\action<only@6| alert@6>{Handschuh kommt aus Italien}\action<only@7| alert@7>{Kater schläft}.}} \end{itemize} \end{itemize} }

Überschriften und Unterüberschriften werden von beamer automatisch zur ansprechenden visuellen Strukturierung einer Präsentation (in Kopf- und Fußzeile oder in einer Seitenleiste) verwendet. Eine Reihe von Vorlagen, die als zusätzliches Paket gewählt werden können, determinieren das Erscheinungsbild der Präsentation.

Das exzellente Handbuch zu beamer gibt einen genaueren Einblick in die Funktionen. Eine knappe Übersicht findet man in der kürzlich veröffentlichten Kurzanleitung für Logiker.