Bürokratieaufbau

Statt über die spendenaffine FDP herzufallen, sollten die übrigen Parteien besser ehrfürchtig schweigen. Immerhin haben die Freien Demokraten nicht nur eine Kernklientel beschenkt – das kann schließlich jede Regierungspartei – sondern die Hotelbranche, den Deutscher Steuerberaterverband, Transparency International und sogar den regierungsinternen Konkurrenten CSU mit einem einzigen Gesetz glücklich gemacht.

Künftig müssen Geschäftsreisende nämliche korrekte – und damit hochkomplizierte, steuerberatungsbedürftige – Reisekostenabrechnungen einreichen, da das separat ausgewiesene Frühstück (mit 19% Mehrwertsteuer) nicht vollständig erstattungsfähig ist. Die großen Wirtschaftsverbände fordern nun in einem Brief, das Wirtschaftsministerium müsse die politisch nicht gewollten Folgen der Steuersenkung abmildern. Wie wäre es mit einer Angleichung des Mehrwertsteuersatzes für Übernachtungen und Frühstück auf 14%? Mit Hilfe einer kleinen Denkhilfe wird Herr Solms sicher rasch eine entsprechende Ausnahme für geschäftsreisende Angestellte von Firmen mit mehr als 50 Mitarbeiterinnen konzipieren können. Für Mitarbeiter kleinerer Unternehmen gälte werktags ein einheitlicher Satz von 13%, bei Reisen am Wochenende dagegen ein erhöhter Satz von 15%. Damit wären auch die Steuerberater glücklich, und Transparency International könnte zum Ausgleich vielleicht eine kleine Spende erhalten.

Falls sich meine Vorschläge im Bundesgesetzblatt niederschlagen, wehre ich mich natürlich auch nicht gegen eine Beteiligung von, sagen wir – 19%?