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Internal Permission Error

Wenn ein Server jahrelang eilfertig HTML-Seiten ausliefert und urplötzlich einen Internal Server Error zurückmeldet, man wirklich nichts gemacht hat™ und der beste aller Ratschläge (Have you tried turning it off and on again?) nicht hilft – dann schlägt die Stunde von stackoverflow.com.

Leider sind die angebotenen Lösungsvorschläge für ähnliche Phänomene nur bedingt einschlägig. Schließlich stimmen sämtliche Pfadangaben, und nginx und uwsgi haben bis vor wenigen Stunden auch klaglos zusammengearbeitet.

Erst nach der Aktivierung des uwsgi-Logs klärt sich der Nebel:

PermissionError: [Errno 13] Permission denied: './website/settings.py' [...] --- no python application found, check your startup logs for errors ---

Aus unerfindlichen Gründen gehörte settings.py plötzlich root:root (und nicht mehr dem User, mit dessen Rechten nginx läuft). Immerhin ist mir bei dieser Gelegenheit aufgefallen, dass jemand kontinuierlich nach einer RDP-Sicherheitslücke auf meinem Server fahndet.

Geschmackssache

Während sich die Milchindustrie erfolgreich gerichtlich gegen pflanzliche Konkurrenz zur Wehr setzt, lässt sich der Siegeszug von Fleischimitaten kurzfristig nicht mit Unterstützung des EuGH aufhalten. Im Gegensatz zu euphorischen Testberichten hat ein spontaner Selbstversuch mit dem Incredible Burger (2 Veganerinnen, 3 Omnivorinnen) allerdings ein einstimmiges Urteil ergeben: Riecht irritierend und schmeckt widerlich.

Teilkorrumpiert

Nach Ansicht von Rob Bricken hat das 21. Jahrhundert neben vielen anderen unerfreulichen Phänomenen auch eine Korruption der nerd/geek culture mit sich gebracht:

It’s a nerd’s world, where geeks dominate pop culture and entertainment, and the studios and publishers and so on peek inside, in hopes of figuring out how to constantly appease their new nerd overlords. [...] Studios have given nerds power, and power has corrupted us.

Glücklicherweise haben sich die single-minded experts in a particular technical field jenseits der Popkultur ihre Unschuld bewahrt und produzieren entspannte Texte zur Generierung nicht kontinuierlicher Zahlenreihen.

Banca bancae lupa

Kapitalismuskritikerinnen könnten die Ziele von N26 zum Anlass für ein wissendes Lächeln nehmen: Da schickt sich ein nicht sehr vertrauenerweckendes Startup an, einen deutschen Traditionskonzern an der Börse zu übertrumpfen. Tatsächlich ist es aber doch nur so, dass ein schwerfällig agierendes, zwielichtiges Unternehmen mit vielen Leichen im Keller von einem agileren, zwielichtigen Unternehmen mit noch relativ wenigen Leichen im Keller überholt wird.

Überraschend solidarisch

Die britische Regierung hat nicht mehr allzu viele politische Freunde in Europa, aber wenigstens der Auslandsressortleiter der taz hält ihr unverbrüchlich die Treue und den Backstop wegen der Möglichkeit sachfremder Erpressung für eine Zumutung. Eigentlich sei eine Vereinbarung im Sinne Großbritanniens ganz einfach, wenn die Europäische Union nur eine EU-Außengrenze mitten auf der irischen Insel riskieren würde:

Das wäre ein Akt der Staatskunst. Die EU sollte dazu in der Lage sein.

Stattdessen beharrt die EU-Kommission angesichts ausbleibender neuer Vorschläge der britischen Regierung und ergebnisloser Treffen überraschenderweise auf den Interessen eines ihrer Mitgliedsstaaten. Wer hätte aber auch ahnen können, dass so ein Staatenbund konsequent solidarisch agieren würde?

Im Auge des Sturms

Die pausenlose Produktion von Schlagzeilen durch den amtierenden US-Präsidenten wird gern darauf zurückgeführt, dass er seinem Publikum keine Gelegenheit geben möchte, politisch Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, und es stattdessen in ständiger Unruhe hält und effektiv manipuliert.

Andererseits illustriert gerade der Wirbel von Meldungen den Charakter dieses Herrn an manchen Tagen perfekt – korrupt, inkompetent und auf groteske Weise eitel. Seine Empathielosigkeit hat er einige Wochen früher, aber dafür um so eindrücklicher bewiesen.

Alien: Too Close to Home

Bislang sah es so aus, als würden entweder traditionelle Plagen (gegebenenfalls in einer leicht modernisierten Variante) oder maschinelle Heimsuchungen das Ende der Menschheit einleiten. Dank einer chinesischen Mondmission ist aber das Alien-Szenario wieder überraschend gut im Rennen:

Der chinesische Rover Yutu 2 hat auf dem Mond eine ungewöhnliche Entdeckung gemacht. Er ist auf eine unbekannte Substanz gestoßen. [...] Die Untersuchungen ergaben lediglich, dass die Substanz eine gelartige Konsistenz und eine ungewöhnliche Farbe hat.

Not in the Ghetto

Wikivoyage enthält (am 2019-08-30) eine erstaunlich kurze Liste Kölner Brennpunktviertel:

Day and night be careful in outlying neighbourhoods like Chorweiler, Porz, Seeberg, Ostheim, Bocklemünd, Ossendorf, and Vingst.

Entweder haben Mülheim und Kalk international einen tadellosen Ruf oder Norbert Fuchs und Marco Pagano haben sich persönlich in die Redaktion des Wiki-Eintrags eingebracht.

The Meaning of Crabs

Russische Desinformationsspezialistinnen verlieren selbst in sehr ernsten Situationen niemals ihren Humor:

Im Gewebe eines der Ärzte, der stundenlang einen der verstrahlten Patienten behandelte, wurde das radioaktive Isotop Caesium 137 gefunden. Die Nachrichtenseite Meduza schreibt, die Mitarbeiter der Moskauer Spezialklinik hätten das auf einen Urlaub des Arztes in Thailand geschoben. Er hätte dort wohl Krabben gegessen, die durch die Atomkatastrophe von Fukushima verstrahlt waren.

Die Krabben sind natürlich eine Verbeugung vor einem Klassiker (The salmon mousse!) des Genres.

Erdähnlich 4

Nachdem die unspektakulären Kriterien für Erdähnlichkeit bekannt sind, sind Journalistinnen gefordert: Leben auf neu entdecktem Planeten möglich klingt sehr aufregend und ist formal nicht falsch (trotz einer Gleichgewichtstemperatur von minus 53 Grad Celsius auf GJ 357d). Die spannendste Information wird allerdings im Artikel versteckt: Mit einer Entfernung von nur 31 Lichtjahren liegt der zugehörige Stern GJ 357 praktisch in unserer Nachbarschaft.

Das Ende der Netzfilme

Manche Meldungen erscheinen mir völlig unverständlich: Obwohl das Ultraviolet-System über die Jahre auch Technologie-Journalistinnen in Begeisterung versetzte, wird es eingestellt. Zwar bieten die am DECE beteiligten Filmstudios selbstverständlich eine Migration der Nutzerbibliotheken an, mit der sich ein Teil der gekauften Inhalte künftig vielleicht über andere Anbieter abrufen lässt, aber auch ein Teil dieser Plattformen wird zeitgleich geschlossen. Damit endet wohl die goldene Ära des aufwendigen Abrufs einer kleinen Auswahl mehrfach bezahlter Filme unter streng kontrollierten Bedingungen ohne erkennbaren Anlass. Die Wege des Marktes sind eben unergründlich – wahrscheinlich interessieren sich die Menschen einfach nicht mehr für Filme im Netz.

Flockengeburtstag

125 Jahre nach der Erfindung der Cornflakes macht sich die Kellogg Company daran, das Rad der Geschichte zurückzudrehen: Die neue Konzernmarke W.K. Kellogg setzt ausgerechnet auf die Initialen des Zuckerfreundes Will Keith, um zuckerfreie, Bio- und Superfood-Produkte anzubieten, schließlich bezieht sich das Sortiment auf sein Erbe als ernährungsbewusster Cerealien Hersteller – eine weitere Gemeinheit gegen den prinzipientreuen John Harvey.

Tatsächlich enthalten die veganen, palmölfreien Müslis ohne zugesetzten Zucker, künstliche Aromen und Süßstoffe auf wundersame Weise 12% Zucker (anders ausgedrückt: 50% mehr als Kellogg's Cornflakes), denn: Das Knuspermüsli wird mit Fruchtpüree hergestellt und enthält somit den natürlich vorkommenden Zucker der Früchte. Das Fruchtpüree ist wichtig für die Konsistenz des Knuspermüslis. Zucker ist also nur ein bedauerlicher Nebeneffekt der konsistenzorientierten Rezeptur, und die fehlenden Nährwertangaben auf der Kellogg's-Website nur ein redaktionelles Versehen. Der Marketingspezialist W.K. dürfte zufrieden sein.

Untertitel

Kaum habe ich englische Untertitel in englischsprachigen Filmen als Ausdruck meiner sprachlichen Inkompetenz akzeptiert, wird mir von bekannten englischen Muttersprachlerinnen versichert, in modernen Serien komme häufig a bunch of mumble-mouths zum Einsatz und (schottische|texanische) Akzente seien ohne Untertitel ebenfalls eine Zumutung. Wie soll man unter diesen Umständen einen gesunden Minderwertigkeitskomplex aufrecht erhalten?

Update (08/2019): Der Siegeszug der eiligen Schrift ist im Feuilleton angekommen.

(Inc|C)onvenience

Anlässlich der versehentlichen Löschung einer kleinen Menge Audiomaterials erinnert Gary Bernhardt an eine alte Bauernweisheit:

Reminder that “the cloud” is neither a backup nor a suitable location for data that you care about. Your provider will delete all of your data when it’s no longer economical to host it, or when someone typos a shell command, whichever comes first!

Auch einem bekannten Medienunternehmen waren die Daten seines Gründers entweder zu teuer oder zu unwichtig, um sie sorgfältig aufzubewahren. Ich bin sicher, dass die verantwortliche Systemadministratorin sehr ernsthaft ermahnt wurde.

Nachhaltige Mittelstandsförderung

Auf der großen Bühne ist Nachhaltigkeit für die FDP ein eher lästiges Thema (Ich will nicht verzichten und will auch nicht, dass andere verzichten müssen., wie es der Parteivorsitzende in gewohnt souveräner Manier formuliert), im parlamentarischen Alltag sorgt sich ein junger Freidemokrat um den hohen Papierverbrauch von Exekutive und Legislative. Eventuell ist das kein Widerspruch und Roman Müller-Böhm leitet rein zufällig ein Unternehmen, das intelligente Lösungen für die Digitalisierung öffentlicher Verwaltungen anbietet.

Abgesehen von dieser idealen Gelegenheit zur Mittelstandsförderung muss sich die Bundesregierung nicht unter Druck gesetzt fühlen: Wenn es darauf ankommt, nutzt auch die digitale Avantgarde Papier.

Zombie Germs from Outer Space

Mutierte Bakterien auf der ISS sind für die NASA kein Anlass, Filmrechte meistbietend zu verkaufen oder die Zombieapokalypse in Aussicht zu stellen. Stattdessen wird das Reinigungsmittelinventar um destilliertes Wasser ergänzt.

Anarchietreiber

Die ineffizienteste Datenbank der Welt ist nicht nur im Hinblick auf die Macht von Staaten und Institutionen ideologisch aufgeladen, Blockchain-basierte Währungen müssen sich auch ökologisch nicht hinter dem Kohlebergbau verstecken. Ich bin gespannt, welcher der beiden Aspekte früher in die Anarchie führt.

Eigenliebe

Narziss ist etwas erschöpft, aber durchaus lebendig:

Patrick Lange hat als erster Ironman die Acht-Stunden-Schallmauer auf Hawaii durchbrochen und mit seinem zweiten WM-Triumph nacheinander die deutsche Ära fortgesetzt. Der 32 Jahre alte Triathlet aus Nordhessen nutzte die optimalen Bedingungen am Samstag durch eine taktische Meisterleistung für eine erneute Demonstration seiner Lauf-Klasse. Es ist einfach Wahnsinn. Ich hätte das nie gedacht, sagte Lange im Ziel, wo er sich die letzte Kraft für etwas ganz Besonderes aufbewahrt hatte. Er machte seiner Freundin Jule auf Knien einen Heiratsantrag.

Es gibt sicher viel gravierendere, unangenehmere, gefährlichere Beispiele für toxische Männlichkeit, aber diese Selbstbesoffenheit ist schon bemerkenswert.

R-E-S-P-E-C-T

Der Ausdruck Respekt ist nicht uneingeschränkt emanzipatorisch, denn:

Sometimes people use respect to mean treating someone like a person and sometimes they use respect to mean treating someone like an authority

and sometimes people who are used to being treated like an authority say if you won’t respect me I won’t respect you and they mean if you won’t treat me like an authority I won’t treat you like a person

and they think they’re being fair but they aren’t, and it’s not okay.

Kein Wunder, dass es mitunter Missverständnisse gibt.

Überkomplex

Auf den ersten Blick bestätigt das EFail-Problem nur meine feste Überzeugung, dass HTML in E-Mails die Wurzel allen Übels ist.

Leider erschüttern die ausführlichen Kommentare von Matthew Green mein Vertrauen in GnuPG doch ein wenig. Könnte es sein, dass ich den komplexen Aufbau meines Mailstacks ohne nennenswerte Einbußen bei der Sicherheit deutlich reduzieren kann?