Kulturenergie

Bei der Verteidigung ihrer Partikularinteressen haben Kulturschaffende als besonders wortmächtige Menschen natürlich einen gewissen rhetorischen Vorteil. Wenn auch das nicht mehr nutzt, bringt man die Partikularinteressen nach dem Vorbild der Volksparteien mit dem Gemeinwohl in Deckung.

Entsprechend wettert auch Brigitte Werneburg in der taz gegen das EU-weite Verbot von traditionellen Glühbirnen bis 2012. Laut Überschrift kämpfen Künstler, Designer und Architekten gegen das Verbot, weil angeblich der 1,4-fache Wert der [durch Energiersparlampen] eingesparten Energie wieder rückinvestiert wird, und weil die Energiesparlampe wegen ihres Quecksilbergehalts gefährlich für unsere Gesundheit und unsere Umwelt ist.

Die eigenen Interessen (Traditionelle Glühbirnen sind essenzieller Teil unserer Beleuchtungskultur) werden erst am Schluss erwähnt, wenn des Lesers Auge schon leicht verschleiert auf das Engagement dieser guten Menschen blickt. Um den Altruismus noch stärker zu betonen, hätte man allerdings auch den vergleichsweise hohen Preis der Energiesparlampen erwähnen sollen (Total unsozial!).