Stadtbild
Der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
, wie er sich selbst gern nennt, hat ein nicht ganz so feines Sprachgefühl wie die deutsche Jugend, und viele seiner Äußerungen sind nicht nur für Jugendliche interpretationsbedürftig:
Aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen.
Die Interpretationshilfe leistet freundlicherweise Nina Perkowski:
Das Schüren von Xenophobie und irrationalen Ängsten gehört eigentlich nicht zum Aufgabenprofil einer Bundeskanzlerin, worauf nicht nur die Opposition hinweist. Aber Kritik kann einenDas Problem mit dem Begriff
Stadtbild: Er greift ein unklares Gefühl der Fremdartigkeit und der Angst auf, ohne genau zu beschreiben, was damit gemeint ist. Der Begriff fungiere als beschönigender Code fürdie sichtbare Anwesenheit von Menschen, die als nicht-deutsch oder nicht-weiß wahrgenommen werden, und zwar unabhängig von ihrer tatsächlichen Staatsbürgerschaft, erklärt Nina Perkowski, Soziologin an der Universität Hamburg, auf Anfrage von tagesschau.de.Die Formulierung sei
nicht neutral beschreibend. Damit werdeein kollektives Gefühl des Unwohlseinskonstruiert, nur weil Unterschiede sichtbar werden, und so würden Maßnahmen wie Abschiebungen als notwendige Reaktion auf eine vermeintlichgestörte Ordnunglegitimiert.Das erzeugt ein Klima, das rassistische Anfeindungen und Übergriffe befördert.
Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland nicht beirren: Ich weiß nicht, ob Sie Kinder haben und wenn unter diesen Kindern Töchter sind, dann fragen Sie mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte. Ich vermute, Sie kriegen eine ziemlich klare und deutliche Antwort. Ich habe hier gar nichts zurückzunehmen. Im Gegenteil, ich unterstreiche es noch einmal. Wir müssen daran etwas ändern. Und der Bundesinnenminister ist dabei, daran etwas zu ändern.
Die Töchter möchten sich allerdings nicht von einem patzigen Patriarchen instrumentalisieren beschützen lassen, und deshalb bezieht sich Herr Merz zur Verteidigung seiner Rhetorik zusätzlich auf den Graben zwischen seiner Partei und der AfD, der so groß ist, dass es keiner wackeligen Brandmauer zum politischen Hauptgegner bedarf.
Ich bin nicht sicher, ob Alice Weidel Friedrich Merz tatsächlich als satisfaktionsfähigen Hauptgegner
wahrnimmt oder nicht vielmehr als nützlichen Idioten.
Update: Nach längerer Bedenkzeit hat sich der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
doch noch dazu herabgelassen, seine eigentlich unmissverständliche Äußerung zu erläutern:
Der CDU-Politiker betonte einerseits, dass Deutschland auch in Zukunft Einwanderung vor allem für den Arbeitsmarkt brauche. Andererseits benannte er erstmals, wer ihn im öffentlichen Bild deutscher Städte stört: Migranten ohne dauerhaftes Aufenthaltsrecht und Arbeit, die sich nicht an die in Deutschland geltenden Regeln halten. Diese bestimmten teilweise das öffentliche Bild in den Städten, sagte Merz. Das betreffe Bahnhöfe, U-Bahnen, bestimmte Parkanlagen, ganze Stadtteile,
die auch unserer Polizei große Probleme machen.
Wir brauchen auch in Zukunft Einwanderung. Das gilt für Deutschland wie für alle Länder der Europäischen Union. Wir brauchen sie auch und vor allem für unsere Arbeitsmärkte, sagte der Kanzler am Rande des Westbalkan-Gipfels in der britischen Hauptstadt. Schon heute seien Menschen mit Migrationshintergrundunverzichtbarer Bestandteil unseres Arbeitsmarktes.Wir können auf sie eben gar nicht mehr verzichten, ganz gleich, wo sie herkommen, welcher Hautfarbe sie sind und ganz gleich, ob sie erst in erster, zweiter, dritter oder vierter Generation in Deutschland leben und arbeiten.
Selbstverständlich hat Friedrich Merz nichts gegen nützliche, fleißige Arbeitskräfte, sondern nur gegen hilfebedürftige Menschen ohne Arbeitsvertrag. Alles andere wäre eine böswillige Unterstellung.