4.1.3 jüdisch

„Der Intellektuelle“ ist ein „jüdischer Typ“ Das charakteristische Merkmal „jüdisch“ hat den Weg genommen von einer reinen Personenbeschreibung, die „Intellektuelle“ „jüdisch“ nennt, weil sie Juden sind, über die stereotype Verknüpfung der beiden Fakten, die wegen ihrer hartnäckigen Wiederkehr eine emotionelle Annäherung der beiden Wörter erzwingt, bis zum Endpunkt, an dem ihre Identität keinem Zweifel mehr zu unterliegen scheint. Hier ist „jüdisch“ dann nahezu definitorischer Bestandteil, auf alle Fälle aber ein Kennwort. Eugen Diederichs lässt 1918 in der „Tat“ noch keinen Zweifel daran, dass „Intellektualismus“ und „Judentum“ zwei verschiedene Dinge sein können. Die Nationalsozialisten dagegen treibt die Entwicklung Richtung Gleichsetzung voran, bis die logische Möglichkeit, „Intellektuelle“ und „Juden“ auseinander zu halten, psychologisch kaum noch realisiert wurde. Immer wieder war von „jüdischen Intellektuellen“, „jüdisch-intellektuellen Anstiftern“ und dem Juden als „Prototypen“ des „intellektuellen Hetzers“ die Rede. Als weiteres Merkmal wird meist „marxistisch“ hinzugefügt, um die These von der Identität des Judentums und des Bolschewismus zu stützen. Folglich bringt nicht allein falsche Erziehung den „Intellektuellen“ hervor. Er entsteht auch durch „Ansteckung“, indem der Prototyp, der Jude, den Gesunden „infiziert“.