5.4.1 Intellektuellentum

Lenins Schrift „Die Kinderkrankheit des ‚Radikalismus’ im Kommunismus“ von 1920 wurde schon kurz nach ihrer Veröffentlichung äußerst populär, auch dadurch, dass sich die Linksmarxisten heftig gegen die Vorwürfe des kommunistischen Führers wehrten. 1925 wurde sie ständig gegen die Ultralinken innerhalb der Partei verwendet, so dass die SPD im September 1925 über die dramatischen Auseinandersetzungen in der KPD in Form einer „Krankengeschichte“ spottete. In dieser weitverbreiteten Schrift also kritisiert Lenin das „Intellektuellentum“ der Radikalen, zu dem auch (wenige) Arbeiter neigen. Damit koppelte er den Intellektuellen ab vom sozio-ökonomischen Status einer Person und schuf ein Wort, an dem ein Syndrm von Vorurteilen festmachen konnte. Es war der Inbegriff aller Eigenschaften, die den „typischen“ Intellektuellen auszeichnen. Von diesem Punkt aus konnte man sich sogar als Intellektueller vom „kurzsichtigen Intellektuellentum“ distanzieren und einen „typischen Intellektuellen“ kritisieren. Es ließen sich spezifische Komposita bilden: „Intellektuellenstandpunkt“, „Intellektuellenmanieren“, „Intellektuellenschrullen“. Vor allem aber konnte man den bestimmten Artikel benutzen und dadurch Äußerungen über Intellektuelle in die Form einer Allaussage bringen, die Ausnahmen logisch nicht duldet. Welche Züge waren nun konzipierend für das „Intellektuellentum“?