1.3.3 Die Anfänge des Kalten Krieges

Die Frage auf der Potsdamer Konferenz hatte gelautet: Was wird mit Deutschland? Vom Bemühen um eine gemeinsame Beantwortung waren die Alliierten allerdings schnell abgekommen. Der britische Premier Churchill sprach angesichts der sowjetischen Machtpolitik in Osteuropa von einem „eisernen Vorhang“ und prophezeite eine dauerhafte Spaltung des Kontinents. Auch zwischen den Westmächten gab es Spannungen – Frankreich vertrat andere Positionen als die USA und Großbritannien – die aber nicht durch einen Systemgegensatz verschärft wurden. Die Kooperation zwischen West und Ost war dagegen wegen der unterschiedlichen Systeme und der gegenseitigen Vorbehalte stark erschwert, obwohl zunächst niemand an eine Teilung Deutschlands dachte. Der US-Außenpolitiker George Kennan bezeichnete den Kommunismus sogar als „bösartigen Parasiten“, der sich von „verwesendem Fleisch“ ernähre. US-Präsident Truman goß weiter Öl ins Feuer, indem er die containment policy zur weltweiten Eindämmung des Kommunismus einleitete. Ein wichtiges Instrument dieser Politik sollte der nach dem US-Außenminister benannte Marschall-Plan werden, nach dem Staaten durch wirtschaftliche Hilfe stärker an die USA gebunden und so gegen den Einfluß des Kommunismus immunisiert werden sollten. Als Reaktion darauf verbot die Sowjetunion in der sowjetischen Zone und den Staaten Osteuropas die Annahme des Marschallplans.

Nach dem erneuten Scheitern einer Außenministerkonferenz Ende 1947 wich Frankreich von seiner bisherigen Politik einer strikten Isolierung der eigenen Zone („seidener Vorhang“) ab und stimmte der weiteren staatlichen Konsolidierung im Westen zu. Eine 6-Mächte-Konferenz der westlichen Sieger und der Benelux-Staaten ergab ein klares Votum zugunsten eines föderalen Weststaates in der Trizone und der Annahme des Marschall-Plans. Gleichzeitig schlossen die beteiligten Staaten den gegen die Sowjetunion gerichteten Brüsseler Pakt. Moskau reagierte mit dem Auszug seines Vertreters General Sokolow aus dem Alliierten Kontrollrat am 20. März 1948.

Vier Monate später (20. Juni) wurde im Westen mit einer Währungsreform die D-Mark eingeführt. Die östlichen Länder beschuldigten den Westen zunächst, die Teilung zu zementieren, folgten aber drei Tage später mit einer eigenen Reform. Am 24. Juni 1948 erreichte die Konfrontation ihren Höhepunkt, als die Sowjets alle Land- und Wasserwege nach Berlin blockierten. Die Westmächte reagierten mit der Einrichtung einer Luftbrücke, die die Westzonen der Stadt mehrere Monate lang versorgte.