2.1. Ereignisgeschichte

Nach dem Tod Jakobs im März 1625 brach die pest aus, an der bis Ende 1625 20% der Londoner Bevölkerung starben. Weil alle wohlhabenden Händler aufs Land flohen, kam es zu einer Wirtschaftskrise. Die Seuche wurde als Strafe Gottes für die Heirat mit einer Katholikin und die Vernachlässigung der Verfolgung von Katholiken gedeutet. 1625 lief eine englische Flotte unter Admiral Wimbledon aus, um Cadiz zu erobern und eventuell spanisches Gold zu erbeuten. Obwohl die spanische Verteidigung äußerst schwach war, konnten die Engländer nichts ausrichten: zu wenig Lebensmittel auf den Schiffen und verfaultes Fleisch hatten die Truppen völlig geschwächt und demoralisiert. Bei der Landung in Cadiz fanden sie als erstes spanischen Rotwein. Damit war das Unternehmen gescheitert. Die Schuld an diesem Desaster wurde natürlich Buckingham gegeben, den Geldmangel als Grund für die schlechte Ausrüstung sah man nicht.

Auch das Verhältnis zu Frankreich verschlechterte sich weiter: es gab nicht nur keine Hilfe gegen Spanien, sondern Ludwig XIII. forderte weiterhin Geld zur Bekämpfung der Hugenotten. Dies hätte das Volk in Aufruhr gebracht, so daß Buckingham Ende 1625 die Richtung seiner Politik änderte: die Katholiken wurden wieder verfolgt, La Rochelle wurde unterstützt und England schloß ein Bündnis mit den protestantischen Niederlanden. Damit verband er die Hoffnung auf Gelder vom Parlament. Leider hatte er übertrieben mit seinem Versuch, die Erwartungen des Volkes zu befriedigen, denn jetzt befürchtete das Parlament einen Krieg mit Frankreich, den es trotz aller religiösen Gegensätze nicht wünschte. Während Buckingham den Protestantismus außenpolitisch förderte, bekannte sich Karl weiter zum Arminianismus und machte damit die Außenpolitik unglaubwürdig. Buckingham reagierte und suchte gegen besseres Wissen den Ausgleich der Konfessionen (arminianistischer Schwenk), machte sich dadurch aber noch unbeliebter. Das Parlament forderte vor der Diskussion über Geldmittel eine Buckingham-Debatte, leitete ein impeachment-Verfahren (gegen hohe Amtsinhaber wegen Hochverrats) ein und betrieb Buckinghams Entmachtung und Hinrichtung. Die Drohungen Karls halfen nichts, so daß dieser, um seinen Günstling zu schützen, das Parlament auflösen mußte.

So verbesserte sich die Lage 1626 kurzfristig: das Parlament war aufgelöst und somit ungefährlich, die Krone konnte sich noch einmal an verschiedenen Stellen verschulden und ihren Geldbedarf decken. Allerdings reichten diese Mittel (20.000 £ von der Londoner Kaufmannsgilde) nicht lange, weil Spanien und Frankreich Frieden geschlossen hatten, die Hugenotten von La Rochelle entsprechend bedrängt wurden und England in einen Krieg mit Frankreich eintreten mußte. Eine Verpfändung der Kronjuwelen in Amsterdam schlug fehl, zeigte aber, wie verzweifelt die Lage war. Nun bat Karl die Bevölkerung um eine free gift (benevolence), eine Art heimliche Steuer, was zu scharfer Kritik führte und kaum Erfolg hatte. Die Krone griff zum letzten Mittel und trieb eine forced loan ohne jede legale Grundlage ein, was in nur 10 Monaten den Gegenwert von fünf Subsidien einbrachte, die Stimmung der Bevölkerung aber auf den Tiefpunkt sinken ließ. Wegen Kritik an der Eintreibung mußte Karl Erzbischof Abbot suspendieren und einen königlichen Richter entlassen. Die Zwangsanleihe wurde als Teil einer Aktion gegen die englischen Freiheitsrechte gesehen.

Der Widerstand zeigt sich am Five Knights’ Case (Darnel’s Case): fünf Landadelige, die die Zahlung verweigert hatten, wurden 1626/7 verhaftet und konnten nach einem halben Jahr Haft vor dem höchsten Gericht (King’s Bench) habeas corpus (Recht auf Verhandlung) verlangen. Im November 1627 kam es zur Verhandlung. Der Gerichtshof fragte den Kronrat offiziell nach der Begründung für die Verhaftung: by His Majesty’s special command war die Antwort. Damit hatte Karl geschickt die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Zwangsanleihe ausgeblendet und nur seine Prärogativrechte zur Debatte gestellt, die dann auch prompt bestätigt wurden: die fünf Adeligen sollten in Haft bleiben, bis es der Krone gefiele, einen Grund für die Verhaftung anzugeben (sie wurden im Winter 1627 schließlich freigelassen). Mittlerweile hatte der König sein letztes großes Krongut verkaufen müssen, um alte Schulden zu tilgen.

Buckinghams Versuch, La Rochelle persönlich zu befreien, scheiterte an Kardinal Richelieus Geschick und verhinderte einen außenpolitischen Erfolg, der von den inneren Querelen hätte ablenken können. Während die vermögenden Bürger immer noch über die forced loan verärgert waren, wurden die unteren Schichten mit Zwangsrekrutierungen aufgebracht. Die gezwungenen Soldaten brachte man in Privathäusern unter, was den Unmut in der Bevölkerung noch verstärkte. So war die Stimmung 1628 extrem schlecht. Karl war aus Geldmangel trotzdem gezwungen, ein Parlament einzuberufen.

Dieses Parlament von 1628 begann sofort, das königliche Recht auf Verhaftungen ohne Angabe eines Grundes zu bezweifeln. Karl wollte diese Frage natürlich nicht diskutieren, drängte auf die Bewilligung von Geldern und fälschte vorsichtshalber die Akten des Five Knights’ Case. Die Abgeordneten blieben unbeeindruckt und erklärten die forced loan und die Verhaftungen für illegal. Daraufhin erklärt Karl öffentlich, er achte die Gesetze und schütze die Rechte seiner Bürger. Gegen diese Erklärung konnte das Parlament keine Gesetzesvorlage beschließen, weil es damit das königliche Wort angezweifelt hätte. Als aber die Aktenfälschung bekannt wurde, waren diese Hemmungen beseitigt und man dachte an eine Gesetzesreform, offiziell gegen die evil ministers des Königs gerichtet. In dieser Patt-Situation kam das Parlament auf die Idee, eine Petition of Right (eine auf den Gesetzen basierende Bittschrift) zu verfassen, die nach Antwort des Königs und Aufstellung neben den Gesetzen Gesetzeskraft erlangen konnte. In dem vorsichtig formulierten Text wurde dem König das Recht auf Verhaftung nicht völlig abgesprochen, aber stark eingeschränkt, jede Einnahme von Geld ohne Zustimmung des Parlaments (also auch tonnage & poundage), die Anwendung des Kriegsrechts in Friedenszeiten und das Einquartieren von Soldaten in Privathäusern für illegal erklärt. Diese Petition wurde Karl am 2. Juni 1628 feierlich vorgelegt, worauf er antwortete: soit fait come est desiré, die formelle Antwort auf eine Petition of Grace, die nur auf der Gnade des Königs beruht und jederzeit widerrufen werden kann. Nachdem das Parlament wieder ein impeachment-Verfahren gegen Buckingham einleitete, gab Karl nach und ließ die Petition neben den Gesetzen aufstellen. Dem kurzen Jubel folgte die Ernüchterung, denn Karl hatte den Text gefälscht und begann mit Zolleintreibungen und weiteren Verhaftungen von Abgeordneten, nachdem er das Parlament aufgelöst hatte. Dieser Wortbruch des Königs hatte einen gewaltigen Prestige- und Vertrauensverlust zur Folge.

Die Einberufung eines neuen Parlaments 1629 war deshalb nutzlos: die Bewilligung von Subsidien oder die Bestätigung von tonnage & poundage (die Karl in völliger Verkennung der Lage erwartet hatte) wurden nicht diskutiert. Vor der Auflösung verabschiedeten die Abgeordneten mit rabiaten Methoden (der Speaker wurde auf seinem Sitz festghalten, als er die Sitzung schließen wollte) noch drei Resolutionen: der Arianismus wurde verurteilt, das Einziehen von tonnage & poundage war illegal und jeder, der dem König tonnage & poundage bezahlte, machte sich des Hochverrats schuldig. Zum ersten Mal richtete sich Hochverrat nicht mehr gegen die Person des Königs, sondern gegen das Parlament und den Staat. Nach diesen Resolutionen hatte Karl von Parlamenten genug.