Der Rauch des Schlachtengetümmels lichtet sich, und die Umrisse der künftigen Weltordnung werden langsam sichtbar: Das elegante, den Künsten zugewandte Reich von Safari grenzt an das moderne, technikverliebte Fürstentum Chrome. Beide konkurrieren um die globale Vorherrschaft, während hoch im Norden die IE-Diktatur ihr jämmerliches Dasein fristet. Den drei autokratisch regierten Gebilden gegenüber steht die freie Republik Firefox, die sich den Schutz der Privatsphäre ihrer Bürger auf die Fahnen geschrieben hat.
Eigentlich sollte jeder aufgeklärte Mensch in dieser ehrenwerten Republik leben – wenn nur die Fenster in Safari nicht so schick wären!
Offenbar verdienen Übersetzer doch deutlich besser als erwartet. Das wundervolle Bilderbuch The Arrival von Shaun Tan, in dem außer dem Titel (Ein neues Land) und dem Klappentext nichts übersetzt werden musste, kostet in der gebundenen englischen Ausgabe bei Amazon 16,70 Euro, in einer vergleichbaren deutschen Ausgabe dagegen 29,90 Euro. Oder sollte der Preisunterschied ganz andere Gründe haben?
Falls das so sein sollte, möchte ich mich in aller Form beim Börsenverein des deutschen Buchhandels dafür entschuldigen, dass ich mich beim Kauf von The Arrival nicht an der wichtigen und kulturfördernden Quersubvention unpopulärer Titel im Rahmen der Buchpreisbindung beteiligt habe.
Meine Bereitschaft, mich für berechnende Wissensmaschinen zu begeistern, ist groß. Dennoch werde ich noch eine Weile Taschenrechner-Apps wie Soulversammeln müssen, denn Wolfram Alpha versagt sogar bei einfachsten Aufgaben.
Die Software liefert für die Suchbegriffe usa germany population und usa germany energy consumption präzise Vergleichszahlen, scheitert aber an der Aufgabe, den Energieverbrauch pro Kopf zu vergleichen. Dabei können das sogar die Wirtschaftsjournalisten der Zeit!
Entgegen landläufiger Vorurteile sind auch Geeks nicht gegen Aberglauben gefeit. Lieblingsobjekt parawissenschaftlich veranlagter Geeks ist die Lesbarkeit von Texten, wobei Lesbarkeit in diesem Kontext völlig losgelöst von inhaltlichen Aspekten zu verstehen ist. Wie viele obskure Geheimlehren nimmt die Legislogie ihren Ausgang in ganz vernünftigen Lehrsätzen (in diesem Fall aus dem Buchdruckerhandwerk), bevor sie sich in spekulative Gefilde begibt.
Das W3C hat auf Drängen der Legislogen eine legislogische CSS-Eigenschaft standardisiert – wenn auch etwas versteckt in den SVG-Spezifikationen:
text-rendering: optimizeLegibility;
Angespornt von diesem Erfolg bietet die legislogische Gemeinde eine erste Safari-Erweiterung an, die die Lesbarkeit des gesamten Webs verbessern soll. Die Wirkung ist – wie immer – noch stärker, wenn die Erweiterung gemeinsam mit einer Tasse basischen Tees und einer Handvoll Globuli angewendet wird.
Wer hätte gedacht, dass ich den Rückzug von Roland Koch mal als Verlust der Mitte bezeichnen würde? Es ist wohl der Vergleich mit einschläfernder Wohltemperiertheit einerseits und pausenloser Krakeelerei andererseits, der Koch im Rückblick hinnehmbar erscheinen lässt. Immerhin hat der Herr aus Hessen wenigstens phasenweise differenziert argumentiert, ohne sich deshalb gleich bei Wechselwählern anzubiedern. Wer weiß – vielleicht wird man sich sogar außerhalb der CDU mal nach ihm zurücksehnen.
Auch im Zusammenhang mit Sportereignissen leben die Menschen gern ihre Neigung zum Aberglauben aus und bezichtigen harmlose Tintenfische hellseherischer Fähigkeiten. Dass aber sogar dem Oberhaupt der katholischen Kirsche unterstellt wird, es befleißige sich eines magischen Rituals zugunsten einer Fußballmannschaft, grenzt schon an Blasphemie. In solchen Situationen fehlt uns der gute Mixa mehr denn je.
Dass die Wahl des Bundespräsidenten unnötig lange gedauert hat, ist auch den leichtfertigen Äußerungen der Herren Biedenkopf und von Weizsäcker zuzuschreiben. Die beiden hatten dafür plädiert, dass Mitglieder der Bundesversammlung ihre Stimme unabhängig von Fraktionszwängen abgeben sollten, um die Autorität und Glaubwürdigkeit des Bundespräsidenten (oder der Bundespräsidentin) zu erhöhen.
Es war zu erwarten, dass dieser Vorschlag die Mitglieder des Bundestages – die sämtlich auch der Bundesversammlung angehören – äußerst verwirren würde. Schließlich halten sie sich bei allen anderen Abstimmungen an § 38, Absatz 1 des Grundgesetzes in der von allen Fraktionen im Deutschen Bundestag gemeinsam herausgegebenen Fassung:
Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes und an Aufträge und Weisungen ihrer Fraktionsführung gebunden.