1.2.1. Religionsproblematik

In England war auch nach dem Bruch mit dem Katholizismus eine Staatskriche als einigendes Band notwendig. Allerdings waren sowohl Struktur und Form als auch Umfang der Kirche unklar, so daß die Grenze zwischen Rechtgläubigkeit und Häresie nicht eindeutig bestimmt war. Die Reformation aus politischen Gründen brachte ein weiteres Problem: Heinrich VIII. wollte den katholischen Glauben mit Ausnahme der Institution des Papstes übernehmen, während sein protestantischer Reformator Thomas Cromwell einen echten Protestantismus in England anstrebte. Edward, Heinrichs Nachfolger, ging ebenfalls in diese Richtung, während Maria Tudor, die Tochter Heinrichs und einer spanischen Infanta, England wieder zum Katholizismus zwang. Erst unter Elisabeth wurde England endgütlig protestantisch. Sie und ihre Nachfolger suchten einen stabilen Mittelkurs zwischen Katholiken und radikalen Protestanten. Unter Jakob gab es noch keinen Religionskonflikt mit dem Parlament wie unter Charles. Die Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten begannen mit den Verbrennungen unter Maria Tudor, später galten Katholiken als Staatsfeinde und jeder gute Engländer war Protestant. Höhepunkt war die Exkommunizierung Elisabeths durch den Papst.

Auch außenpolitisch spielte die Religion eine Rolle: England verlor seine Stützpunkte im katholischen Frankreich und befand sich nach der Vernichtung der spanischen Armada noch jahrelang im Krieg mit Spanien. Die katholischen Länder galten als natürliche Feinde Englands. Deshalb führte auch die Heiratspolitik Jakobs zu einem enormen Prestigeverlust des Hofes: seine Tochter Elisabeth war mit dem protestantischen Fürsten Friedrich von der Pfalz verheiratet, so daß das englische Volk natürlich eine Unterstützung der Pfalz gegen Spanien im 30jährigen Krieg erwartete. Doch dann versuchte Jakob aus Gründen des Gleichgewichts, den Thronfolger Karl mit einer spanischen Infanta zu verheiraten.