Die Grenzen der PID

Von der Berliner Zeitung zur Präimplantationsdiagnostik befragt, spekuliert CDU-Fraktionschef Volker Kauder über Kinderwünsche:

Aber zuerst muss die Frage nach dem Kindeswohl gestellt werden. [...] Ich glaube nicht, dass sich Kinder wünschen, in einer homosexuellen Partnerschaft aufzuwachsen.

Das ist mal ein ungewöhnlicher Grund, die PID abzulehnen: Herr Kauder sorgt sich vermutlich, dass untersuchte Embryonen reihenweise den Wunsch äußern, bei schwulen oder lesbischen Eltern zu leben. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sich in der CDU reaktionäre Ansichten und naive Technikgläubigkeit zusammenfinden.

Halbtransparent

Zu den Anforderungen, die die Bank of America an ihre Kunden stellt, gehört wohl auch die Nichtveröffentlichung von bankinternen, potentiell belastenden Unterlagen. Da der entsprechende Passus der Allgemeinen Geschäftsbedingungen sich lediglich auf die Websites des Unternehmens bezieht, muss man davon ausgehen, dass die Bank die interne Kommunikation ihren Kundinnen gewohnheitsmäßig im Web zur Verfügung stellt. Den ganzen Ärger hätte man also vermeiden können, indem jede an dubiosen Geschäftspraktiken interessierte Bürgerin Kundin der Bank of America wird.

Neubeginn

Nachdem Bayern und Tschechien ein neues Kapitel in ihren Beziehungen aufgeschlagen haben, rechne ich praktisch täglich damit, dass auch die Hansestadt Bremen und die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Zusammenarbeit auf eine neue Basis stellen.

Mimose

Das wenig elegante Interface und der nervtötende Zusatzklick für einen Yahoo!-Login haben mich bewogen, meine Delicious-Bookmarks nach einer kurzen Testphase zu löschen. Ich habe allerdings nicht damit gerechnet, dass das dem Untergang geweihte Mutterschiff sich daraufhin entscheidet, Delicious zu verkaufen. Hoffentlich reagiert Ms. Bartz besonnener auf die noch nicht erfolgte Verlängerung meines Flickr Pro-Abonnements.

Undenkbar

Im Zusammenhang mit einem etwas konstruierten Fall von Interessenskollision in Frankreich zitiert Rudolf Balmer in der taz den britischen Observer:

In angelsächsischen Ländern gilt die Anschuldigung, dass JournalistInnen das Bett mit Politikern teilen, als sehr schwerwiegend.

Offenbar gibt es nur eine Konstellation, in der allzu private Kontakte zwischen Politik und Medien nicht nur politisch problematisch, sondern völlig undenkbar sind. Jedenfalls für Herrn Balmer.

Arbeitsteilung

Die Deutsche Bank hat alle Konten der Süddeutschen Zeitung mit sofortiger Wirkung gesperrt, weil die Aktivitäten des Blattes im Widerspruch [stehen] zu den Anforderungen, die die Bank an Finanztransaktionen stellt. Ein Verlagssprecher sagte in einer ersten... oh. Entschuldigung: Es handelt sich um Konten der Plattform Wikileaks, die von der Bank of America gesperrt wurden. Die SZ darf ihre Konten bei der größten deutschen Bank vorerst weiternutzen.

Beruhigend, dass nur irgendeine Webplattform auf diese Weise eingeschränkt wird und nicht etwa die Arbeit der freien Presse. Über Letztere entscheidet ja auch in den USA immer noch das Justizministerium und nicht die Finanzwirtschaft.

Spieglein

Angesichts der Reaktion der 中華人民共和國 / 中华人民共和国 auf eine Preisverleihung in einem kleinen europäischen Land stellt sich doch die Frage, welche Nation – abgesehen natürlich von den USA und Frankreich – eigentlich nicht insgeheim von Minderwertigkeitskomplexen und dem bangen Blick nach außen geprägt ist.

Auch eingefleischte Nationalisten werden in der Regel blass, wenn ihr heiliges Vaterland in irgendwelchen Rankings um einige Plätze zurückfällt, und selbst dem Geliebten Führer scheint es trotz der ruhmreichen Juche-Idee nicht völlig egal zu sein, was man in Washington von ihm hält.

In Deutschland geht diese Spiegelfixierung so weit, dass die Redewendung, die Bundesrepublik liege weit hinter anderen Industrieländern wie den USA, Japan oder Schweden zurück, in kaum einem Zusammenhang fehlen darf.

Jesusbox

Die Dropbox gilt allseits als genialer Cloud-Dienst, und der Unmut über die anachronistischen Synchronisationsmöglichkeiten in iOS kulminiert immer öfter in der Empfehlung an Apple, Dropbox zu kaufen. Tatsächlich kann man im Moment so etwas wie eine schleichende Integration in iOS beobachten, weil immer mehr populäre Anwendungen wie 1Password oder PlainText ihre Daten über die Dropbox synchronisieren.

Für den ebenfalls nicht unbeliebten Dienst Simplenote muss es einigermaßen demütigend sein, dass sogar für den angebundenen Mac-Client Notational Velocity Dropbox-Anleitungen kursieren – trotz der eher ablehnenden Haltung der NV-Entwickler (Dropbox synchronization is redundant if you are already using Simplenote).

Die gerade erschiedene Rainbow Shell (a.k.a. Dropbox 1.0.10) jedenfalls ist nicht geeignet, den Trend zu brechen: Dank selective syncing kann man die Dropbox jetzt auch parallel als Cloud-Backup und als gemeinsamen Datenpool für ein Desktop-System mit 4 TB-Platte und resource-challenged devices wie das MacBook Air verwenden.

Risikoabschätzung und Sozialkompetenz

Die meisten Menschen lernen schon im Kindergarten, dass die Äußerung Ihr kriegt mich gar nicht! mit einem gewissen Risiko verbunden ist. Anderen muss man den Zusammenhang noch im Erwachsenenalter erklären:

Following that, there are a number of examples where antagonizing the population of would be attackers at large can serve as a motivation for them to expend the time necessary to find a way into a system. For example, claiming publicly that something is unhackable is usually a good way to find out that it is. Making unnecessary statements of bravado, statements potentially divorced from reality, changes the equation for an attacker, it suddenly makes compromising your environment worth more of his or her time.

Put another way, thumbing your nose at an entire world’s population of crackers is usually a lousy idea.

Intelligent Design

Kann es wirklich Zufall sein, dass zwei Atheisten

Gott mag vielleicht nicht existieren, aber er hat Humor.