Kraftkuppler

Menschen mit einem Faible für elektronische Datenverarbeitung werden nicht nur Notstromgeneratoren angedichtet, sondern auch Schalthebel:

It’s been a recurring theme this week, but the Pro users of yesteryear’s products, the people with the biggest investment in old technologies, are not the people who should be calling the shots in the design of their successors. These are the people who complain that an iPad can’t have third party software installed from anywhere but the App Store, ignoring the massive convenience and security gains the policy affords average users. These are the people who are still using slotted screwdrivers and Edison light fixtures and manual transmission cars.

Nach dieser Definition gibt es in Deutschland sehr, sehr viele Geeks.

Égalité et Différence

Der Vorschlag, Kontrollen auf Flughäfen nicht weiter zu intensivieren, sondern stattdessen zu individualisieren, leistet nach Ansicht von Kritikern rassistischen und moslemfeindlichen Vorurteilen Vorschub. Um diesen Anfängen zu wehren, schlage ich folgenden Kriterienkatalog vor:

Trotz der Befürchtungen des Bundesmännerministeriums ist nämlich nicht zu erwarten, dass junge Männer in nächster Zeit generell zu einer isolierten und benachteiligten Gruppe werden, und zur Not rasiert man sich vor einer Flugreise eben mal nicht den Kopf.

Positiver Nebeneffekt: Wenn dieselben Kriterien künftig für alle Diskriminierungen im öffentlichen Leben herangezogen werden, habe ich vielleicht die Chance, auch mal einen Sitzplatz in der Bahn angeboten zu bekommen. Oder Hilfe mit meinen schweren Einkaufstaschen.

TSA und Tabu

An der Empörung US-amerikanischer Menschen und Medien über die Alternative zu Körperscannern an Flughäfen – intensive Leibesvisitationen – fällt vor allem die durchgängige Bezeichnung intimer Körperzonen als junk auf.

Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis die Spätfolgen des Puritanismus in Nordamerika ausgestanden sind.

Flexibilität Deutschtum Prinzipientreue

Katar stützt die bedrohte deutsche Baubranche, China die labile europäische Währung – angesichts solcher Meldungen muss man Dirk Niebel insgeheim recht geben: Ein dermaßen hilfsbedürftiger Staat macht sich mit einem Entwicklungsministerium nur lächerlich.

Nach seinem Amtsantritt hat der Diplom-Verwaltungswirt (FH) das Beste aus der Situation gemacht und die überflüssigen und gutbezahlten Entwicklungshilfespezialisten durch verdiente Etappenhengste und Liberale ersetzt. So ein Talent kann die FDP bei der anstehenden Neubesetzung gewisser Posten einfach nicht ignorieren.

Die Grenzen der Satire

Kathrin Passig äußert sich im Merkur despektierlich über aufrechte Kämpferinnen für offene Daten:

Der Wunsch nach digitalem Buchbesitz ist ebenso wenig selbstverständlich. Beim Filmangebot von iTunes hat der Nutzer die Wahl zwischen Kauf und Ausleihe, wobei die günstigere Leihversion nach dreißig Tagen wieder vom Rechner des Nutzers verschwindet. Wenn es um die Frage geht, ob dem Leser digitaler Texte ein vorübergehendes oder dauerndes Zugriffsrecht nicht auch genügen würde, ziehen sich Befürworter des Buchbesitzes auf das Sicherheitsargument zurück: Als physischer Eigentümer eines Buchs oder einer Datei ohne DRM-Einschränkungen sei man sicher vor Insolvenzen der Anbieterplattform und vor Rückrufaktionen wie 2009, als Amazon bezahlte Bücher per Fernzugriff von den Kindles seiner Kunden löschte. Beim Gutenberg-Projekt, kommentierte die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation seinerzeit, könne man Bücher herunterladen, die sich nicht um Mitternacht in einen von Mäusen gezogenen Kürbis verwandelten. Bei aller Schönheit der Kürbismetapher bleibt es doch ein Argument für dieselbe überschaubare Zielgruppe, die Notstromgeneratoren kauft und ihr Geld nicht zur Bank bringt.

Das sind doch alles Vorurteile! Ich lasse mir mein Gehalt durchaus auf ein Girokonto überweisen, bevor ich es in mein Kopfkissen stopfe.

The Future is Now

Mein Umstieg auf Python 3 ist etwas näher gerückt: cssmin 0.1.4 lässt sich mit einer winzigen Änderung (# import StringIO) auch unter py3k einsetzen.

Lob der Preßfreiheit II

Wie um den Kleinmut ihrer journalistischen Anhänger Lügen zu strafen, erfasst die ungarische Regierung mit ihrem neuen Mediengesetz auch Internetportale. Ich bin gespannt auf den Showdown zwischen Assange und Orbán.

Lob der Preßfreiheit I

Was wären wir nur ohne die freie Qualitätspresse? Während die Süddeutsche Zeitung das Spannungsfeld zwischen Nikolaus, Weihnachtsmann und Christkind in einem gut lesbaren Artikel umreißt, fordert eine entsprechende Wikipedia-Recherche drei Klicks, um dieselbe Information zu erhalten, und die unvermeidliche Prüfung der angegebenen Quellen muss man auch noch selbst durchführen.

Palin und der ideale Staat

Sarah Palin betrachtet Staatsgrenzen als Ergebnis historischer Zufälle, die im Gewand von Eroberungskriegen oder Friedensverträgen auftreten. Mit einer Ausnahme natürlich:

But America is different. We’re not the product of historical accident but of design. We’re the only country in history that was founded on an ideal [...]

Streng genommen ist Amerika das Produkt tektonischer Zufälle, aber selbst wenn wir davon ausgehen, dass Ms. Palin die Vereinigten Staaten von Amerika meinte, ist es mit der Einzigartigkeit nicht so weit her. Eine erfahrene Politikerin wie die ehemalige Gouverneurin von Alaska weiß allerdings, welches andere Land nach wie vor vollständig idealbasiert ist, und würdigt dieses einigende Band trotz der kleinlichen Vorbehalte der grauen Berufspolitiker in Washington.

Früherkennung

Jana Hensel hat nicht nur einen symbolischen Partner, sondern auch einen dreijährigen Sohn. Nach einer anstrengenden Zugfahrt mit ihm – in deren Verlauf er nackt durch den ICE tobte – notiert sie:

Ich wusste, dass ich ihn mit keinem Mittel der Welt aufhalten konnte. Noch nie im Leben hatte ich mich so hilflos und gedemütigt gefühlt. Ich hätte weinen können.

Frau Hensel ist um ihr vollkommen demütigungsfreies bisheriges Leben zu beneiden und nicht – wie sie glaubt – um ihr familiäres Glück, das wir paradoxerweise nur selten empfinden. Auch nicht neidisch bin ich auf ihre Wahrnehmung der Umwelt:

Überall wird über Eltern gelästert. Inzwischen nicht mehr heimlich, hinter vorgehaltener Hand, sondern laut und kaum zu überhören. Über Spielecken in Cafés, Kinderwagen in der Straßenbahn, über die Unordnung in Wohnungen, über stillende Mütter und Väter mit Babycarrier vor der Brust.

Man kann natürlich nicht ausschließen, dass das in ihrer künstlichen Welt voller Freiberufler, Künstler tatsächlich so ist – aber in der Regel hilft eine dicke Schicht Alufolie recht gut gegen die Stimmen im Kopf. Eine Welt voller Auflösungsprozesse und den täglich verlorenen Kampf um die Bewältigung des Alltags wird man dagegen nicht ganz ohne Neuroleptika in den Griff bekommen.