Samenfestes Marketing

Vor einigen Wochen hat Alnatura den milchsauer vergorenen Karottensaft (wer außer mir mag diesen Saft?) durch einen feldfrischen Karottensaft aus samenfesten Sorten ergänzt. Sehr lecker, aber – was sind samenfeste Sorten?

Im Gegensatz zu den weit verbreiteten Hybridsorten sind samenfeste Sorten uneingeschränkt vermehrbar. Hybridmöhren wurden vorwiegend auf Ertrag gezüchtet und sind sehr einheitlich in Farbe, Form und Größe. Dagegen überzeugen samenfeste Möhren durch ihre inneren Werte, wie ihre hohen Gehalte an Trockensubstanz, Carotin und Zucker. So setzen beispielsweise die Bio-Safthersteller Voelkel und Beutelsbacher samenfeste „Rodelika“-Möhren ein, weil sie besonders intensiv in Geschmack und Farbe sind.

Der Verbraucher kann samenfeste Möhren in einigen Bioläden und in der Direktvermarktung bekommen, genau ausgezeichnet sind sie aber in der Regel nicht. Im konventionellen LEH gibt es erste Initiativen zur Vermarktung von Bio-Rodelika. Noch handelt es sich um einen überschaubaren Markt. Angesichts des zunehmenden Drucks im Lebensmittelsektor kann die Vermarktung samenfester Sorten aber eine Möglichkeit zur Abgrenzung im Wettbewerb bieten.

Sagt Bioland, und rügt zugleich das wenig ausgeprägte Sortenbewusstsein der Gemüsekunden. Ein interessanter Marketing-Ansatz: Einfach eine unbekannte Klassifikation ohne Erläuterung auf die Packung schreiben und auf die Neugier der Kunden vertrauen. Es scheint zu funktionieren.

Bigger is Better

Heute erreichte mich eine frohe Botschaft aus Sebastopol:

As part of our continued efforts to improve the quality of our ebooks, we have recently released updates of the EPUB and Mobi files for the majority of our titles. Improvements made include the following:

  • Enhancements to the linking in the digital index
  • Updates to the CSS to improve formatting and rendering throughout, with many enhancements specifically targeted for the iBooks reader for iPhone/iPad
  • Links added to supplemental content online, when available
  • More fonts in EPUB files to improve text rendering in ereaders that support font embedding (iBooks, Sony Reader, the nook, and others).

Toll! Die neuen Versionen gibt es nicht nur als kostenloses Update, man bekommt auch noch viel mehr Daten:

ePub (alt) ePub (neu) Mobi (alt) Mobi (neu)
Learning Python (4th Edition) 3 MB 4,9 MB 3,2 MB 18 MB
Programming Python (4th Edition) 10,7 MB 21,1 MB 12,8 MB 50,8 MB
CSS Cookbook (3rd Edition) 32,3 MB 46,6 MB 37,1 MB 94,8 MB
HTML5 Up and Running 2 MB 3,9 MB 2,4 MB 10 MB

Wenn das so weitergeht, kann ich mein repräsentatives Bücherregal bald mit schwarz glänzenden Festplatten bestücken.

Gefährliche Nähe

Die Zentralrat der Muslime in Deutschland erwartet von den katholischen Spitzenpolitikern in der Union eine eindeutige Distanzierung von den undemokratischen Strukturen in der katholischen Kirche:

Wenn die Christen selbst protestieren, bewirkt das viel mehr, als wenn wir das tun.

Horst Seehofer hat sich bisher noch nicht zu diesen Forderungen geäußert.

Stilvoll

Die Süddeutsche Zeitung wärmt zwar ein altes Vorurteil über unsere französischen Nachbarn auf –

Wer den Anzug-Einheitslook deutscher Politiker gewohnt ist, dürfte vom Stil des französischen Ministers Hervé Morin beeindruckt sein. Nur wenige Männer schaffen es, sich so stilvoll zu kleiden wie er.

– aber immerhin fokussiert sie nicht zwanghaft auf die Kleidung weiblicher Kabinettsmitglieder. Das würde sicher auch die französische Finanzministerin wohlwollend zur Kenntnis nehmen, wenn sie Zeit für solchen Kleinkram hätte.

Geflügelschock

Ausgerechnet eine gesundheitsorientierte, nachhaltig wirtschaftende und ethisch anspruchsvolle Branche wie die deutsche Geflügelindustrie wird derzeit unverschuldet von einem Giftskandal erschüttert. Der wirtschaftliche Schaden wird die meisten Züchter kaum interessieren, und selbst die noch hypothetische gesundheitliche Gefährdung ihrer Kunden ist nicht ihre Hauptsorge. Sie plagt vor allem das schlechte Gewissen gegenüber ihren kleinen Schützlingen, denen sie nichtsahnend und mit liebevoller Hand ungesundes Futter hingestreut haben. Nicht auszudenken, wenn die unschuldigen Tiere nun auch noch getötet würden! Die niedersächsische Protestbewegung gegen den Tiermord würde die liebenswerten Bemühungen der Atomkraftgegner locker in den Schatten stellen.

Honi soit qui mal y pense

Schön, dass meine dunklen Ahnungen sich zur Abwechslung auch mal bewahrheiten:

Last night we tried to rent an iTunes movie on our newish Apple TV. Instead of starting right away, the Apple TV said it would be 2+ hours before we could start watching. I’ve got a healthy 15-20Mb/s connection and a clean wire to the Apple TV, so this shouldn’t be happening.

A little bit of research turned up a surprising fix: Don’t use Google DNS.

Angeblich hängt das Problem mit dem Akamai-Routing zusammen, das je nach verwendetem DNS-Server unterschiedliche Datencenter für die Auslieferung anbietet, was zu einer Überlastung der über Google DNS angesteuerten Datencenter führt – aber das ist natürlich eine viel zu plausible Erklärung für einen eingefleischten Verschwörungstheoretiker.

Relativ ungerecht

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zur sozialen Gerechtigkeit liegt Deutschland auf Platz 15 (von 31 untersuchten OECD-Staaten). Es bieten sich also drei mögliche Schlagzeilen an:

  1. Deutschland ist ungerechter als viele andere Länder
  2. Deutschland bei sozialer Gerechtigkeit im Mittelfeld
  3. Deutschland ist gerechter als viele andere Länder

Die Redakteurin, die nicht Variante 1 wählt, muss allerdings erst noch geboren werden, denn die bemitleidenswerte Bundesrepublik landet schließlich nur auf Platz 15, ebenso wie es nur vier deutsche Unternehmen auf die Börsen-Weltrangliste des Handelsblattes schaffen konnten.

Ganz vorn liegen natürlich wieder die ewigen Klassenbesten – am gerechtesten geht es der Stiftung zufolge in den nordeuropäischen Staaten Island, Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland zu. Man sollte es den mittelmäßigen Staaten Europas hoch anrechnen, dass sie die Streber weiterhin mitspielen lassen.

Halt

Bundesverkehrsminister Ramsauer muss viel Häme einstecken für sein Bemühen, wenigstens die deutsche Sprache zu germanisieren, nachdem sein Parteichef schon mit der Re-Germanisierung der Bundesrepublik gescheitert ist.

Es ist allerdings auch unglücklich, dass zwar das Whiteboard im Bundesverkehrsministerium zum Tafelschreibblock wird, der Minister aber weiterhin affirmativ vor Schildern mit der Aufschrift STOP posiert.

Corpus Sanus

Der hochverehrte Kardinal Joachim Meisner, Erzbischof von Köln, hat wieder einmal die passenden Worte gefunden, diesmal zu den jahrzehntelang vertuschten Missbrauchsfällen innerhalb der Heiligen Kirche:

Wenn aus einem Körper die Krankheitsherde entfernt wurden, dann entsteht die Chance zu einer baldigen Genesung und zu einem Erstarken der Vitalität.

Trotz seiner hohen Stellung empfindet Herr Meisner nach wie vor volksgesund, und in diesem Rahmen sind Täter natürlich nicht krank, brutal, gewissenlos, niederträchtig und/oder sadistisch, sondern selbst eine Krankheit. Diese Abgrenzung pädophiler Priester vom gesunden Volks- und Kirchenkörper ist den Opfern sexuellen Missbrauchs sicher viel mehr wert als eine demütige Bitte um Verzeihung oder gar eine schnöde Geldsumme.

Erbfolge

Mit jedem Tag marschiert das Evil Empire der vergangenen 30 Jahre schneller in Richtung Lächerlichkeit, und Google kann sich nicht zwischen den Rollen sinistrer Moloch und Mekka enthusiastischer Hacker entscheiden. Wie langweilig wäre die Welt ohne Larry Ellison, der sich mit Steve Jobs die Rolle des charismatischen Erzbösen teilt. Sein Unternehmen legt sich nämlich nicht nur mit der kommerziellen Konkurrenz, sondern auch mit sämtlichen Open Source-Projekten in seinem Einflussbereich an. Gerade in diesen unübersichtlichen Zeiten ist ein unvernebelter Blick auf Barad-dûr Gold wert.